Eine der höchsten Auszeichnung, die die Stadt Weingarten und der Gemeinderat zu vergeben haben, geht in diesem Jahr an Bernd Junginger. Der langjährige Stadtrat und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr hat die Bürgermedaille beim Neujahrsempfang entgegengenommen.
Mit Visionen, Verantwortungsbewusstsein, Besonnenheit und Bodenständigkeit hat Bernd Junginger sich über viele Jahrzehnte um das Wohl der Stadt und ihrer Einwohner verdient gemacht. Als Feuerwehrkommandant stellte er das Gemeinwohl über seine eigenen Belange. Als Stadtrat und Stellvertreter des Oberbürgermeisters repräsentierte er Weingarten mit Haltung und Herzblut. Als Handball-Trainer, Jugendleiter und Schiedsrichter vermittelte er schon den Jüngsten Fairness, Teamgeist und Freude am Sport. Als Plätzler und Mitglied der Welfenfestkommission liegen ihm bis heute Tradition und Brauchtum am Herzen.
„Mit Ihrem intensiven und vielfältigen Engagement haben Sie in unserer Stadt tiefe Spuren hinterlassen und schon früh Weichen gestellt“, sagte OB Clemens Moll in seiner Laudatio. Es sei höchste Zeit, sein Wirken ausführlich zu würdigen.
Bernd Junginger, 1943 geboren, hatte als Bub über das gelegentliche Fußballspielen mit der Katholischen Jugend zum Handball gefunden – den Sport, der ihn prägen sollte. Bald übernahm er Verantwortung als Trainer. Doch mit 17 – er hatte gerade seine Lehre als Maschinenschlosser in der Maschinenfabrik Weingarten abgeschlossen – bekam er die Diagnose Tuberkulose. Schwierige Jahre folgten: Klinikaufenthalte, eine riskante Operation. Doch er kämpfte.
Drei Jahre später konnte er in die Maschinenfabrik und zum Sport zurückkehren. Gesund. Er trainiere die Handball-Jugend und verbrachte bis in die 1990er-Jahre unzählige Wochenenden als Schiedsrichter bei Spielen im ganzen Land.
Dann rückte die Feuerwehr stärker in den Mittelpunkt. 1970 eingetreten, war Junginger von 1986 bis 1991 stellvertretender und danach bis 2005 Kommandant. „Sie sind die Sache mit der nötigen Ernsthaftigkeit, mit Respekt und Pflichtgefühl angegangen. Es wurde zu Ihrer Lebensaufgabe“, sagte OB Moll.
Junginger baute die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr konsequent aus und knüpfte früh Bande zur Nachbarstadt, lange bevor interkommunale Zusammenarbeit selbstverständlich war. Er stellte die Weichen, dass die Feuerwehr keine Nachwuchsprobleme hat, sondern – im Gegenteil – einen exzellenten Ruf. „Sie waren Brückenbauer und Netzwerker, nicht nur zwischen Weingarten und Ravensburg, sondern im Landkreis, bis nach Grimma und zu Weingarten in Baden“, so Moll, der Jungingers Sachverstand, Augenmaß und Fingerspitzengefühl lobte.
1984 ließ Junginger sich für die Freien Wähler im Gemeinderat aufstellen. Insgesamt engagierte er sich 37 Jahre lang für Weingarten. Die schönste Aufgabe war sicher das Amt des ehrenamtlichen Stellvertreters des Oberbürgermeisters, der die Stadt zu feierlichen Anlässen vertritt und Jubilare besucht. „Solche geselligen Begegnungen sind eine Bereicherung für alle Seiten“, sagte Moll, „die Menschen kennen und schätzen Sie. Und Sie haben immer etwas zu erzählen. Auf Schwäbisch: ,Sie könnet mit d‘ Leut.‘“
Junginger selbst erklärte: „Für mich war es selbstverständlich, mich einzubringen, wenn ich gebraucht wurde.“ Bei der Feuerwehr lerne man schnell, dass es nicht um einen selbst gehe, sondern um den Nebenmann, um Vertrauen, Verlässlichkeit und im Ernstfall um Leben und Tod. „Diese Haltung hat mich geprägt, nicht nur bei der Feuerwehr.“
Er dankte all seinen Wegbegleitern für die Unterstützung und den Rückhalt, besonders seiner Frau Siglinde und den drei Kindern, die oft auf ihn verzichten mussten.
Eine ausführliche Würdigung und mehr Bilder finden Sie auf www.stadt-weingarten.de/buergermedaille2026.


