Alte Jeans, Stoffreste und Holzstücke landen in den Weissenauer Werkstätten des ZfP Südwürttemberg nicht im Abfall, sondern auf der Werkbank. Daraus entstehen Taschen, Schürzen, Dekoartikel und viele weitere Unikate. Die Upcycling-Produkte werden von Beschäftigten gefertigt, für die das Arbeiten Förderung und Erfolgserlebnis zugleich bedeutet.
Wer den Verkaufsbereich der Weissenauer Werkstätten besucht, entdeckt eine bunte Mischung handgefertigter Einzelstücke: Kosmetiktäschchen und Organizer, Sitzkissen und Schürzen, Topfuntersetzer, Schilder oder gedrechselte Holzobjekte. Entstanden sind sie in der Kreativ- und Holzwerkstatt aus Materialien, die sich weiterverwenden lassen. „Wir schauen immer, was sich noch nutzen lässt“, erklärt Michael Rupp, Leiter des Bereichs Handwerk der Weissenauer Werkstätten. Jeansstoffe stammen unter anderem aus Kleidungsstücken, die nicht mehr weitergegeben werden können. In der Holzwerkstatt werden auch kleinere Reststücke verarbeitet, für die andere Betriebe häufig keine Verwendung mehr haben. Selbst Äste aus dem Rückschnitt der Parkanlage können zum Ausgangsmaterial für neue Produkte werden. So bekommt vermeintlich Ausgedientes ein zweites Leben.
Arbeit mit sichtbarem Ergebnis
Dabei ist Upcycling für die Weissenauer Werkstätten weit mehr als ein Beitrag zur Nachhaltigkeit. Zum Fachbereich Handwerk gehören eine Holzwerkstatt und eine Kreativwerkstatt. Hier arbeiten psychisch erkrankte und behinderte Menschen unter fachlicher Anleitung. Tätigkeiten und Arbeitsschritte werden so ausgewählt, dass sie zu den jeweiligen Fähigkeiten und Interessen passen. Dadurch reicht das Spektrum von einfachen Arbeitsschritten bis zu handwerklich anspruchsvolleren Aufgaben. „Das Produkt ist für uns ein Mittel, um unterschiedliche Tätigkeiten anbieten und Fähigkeiten trainieren zu können“, sagt Rupp. Besonders wichtig sei, dass am Ende etwas entsteht, das verwendet oder verkauft wird. „Das macht einen großen Unterschied für die Motivation.“
Wie unterschiedlich die Tätigkeiten sein können, zeigen die Beschäftigten selbst. Eine Beschäftigte arbeitet beispielsweise an Kaminanzündern. „Mir gefällt, dass es hier ruhig ist und keinen Stress gibt. Jede und jeder wird so eingesetzt, wie es passt, und man lernt immer wieder etwas Neues dazu.“ Besonders gern setzt sie die Dochte in die Anzündhölzer ein: „Das ist von der Fingerfertigkeit anspruchsvoll.“ Ein anderer Beschäftigter, gelernter Schreiner, arbeitet besonders gerne an der Drechselbank. Aus Ästen, die beim Rückschnitt in der Parkanlage anfallen, fertigt er unter anderem kleine Holzpilze. „Holz ist mein Leben“, sagt er. „Jedes Stück sieht anders aus, hat eine andere Struktur und ist einzigartig. Es ist schön zu sehen, was daraus entstehen kann.“
Unikate direkt vor Ort
Dass dabei keine Massenware entsteht, gehört zum Konzept. Material, Gestaltung und verfügbare Produkte wechseln, viele Stücke sind Einzelstücke. Wer neugierig geworden ist, kann deshalb am besten direkt vor Ort stöbern. Die Produkte werden im Verkaufsbereich der Weissenauer Werkstätten angeboten, der werktags von 8 bis 11 Uhr und von 13 bis 15 Uhr geöffnet ist. Eine kleinere Auswahl ist außerdem beim Verkaufsangebot der Gärtnerei des ZfP Südwürttemberg am Standort Weissenau zu finden.
Neben Einzelstücken für den Verkauf übernehmen die Werkstätten auch größere Aufträge. Für die AOK entstanden beispielsweise 1.000 textile Herzen aus bereitgestelltem Material. Solche Aufträge sind für die Werkstatt besonders wertvoll, weil sie über einen längeren Zeitraum reale und abwechslungsreiche Arbeitsaufgaben für die Beschäftigten schaffen. So verbinden die Upcycling-Produkte Nachhaltigkeit, handwerkliche Arbeit und sichtbare Erfolgserlebnisse und zeigen, wie viel aus vermeintlichen Resten entstehen kann.


