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Generalleutnant André Bodemann spricht über gesellschaftliche Resilienz

Bild: Stadt Ravensburg

Im vollbesetzten Schwörsaal der Stadt Ravensburg hielt Generalleutnant André Bodemann auf Einladung der Stadt einen eindringlichen Vortrag zum Thema „Gesellschaftliche Resilienz“. Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp betonte in seiner Eröffnungsrede die gemeinsame Verantwortung aller Akteure: „Im Fall der Fälle haben wir alle eine Rolle – nicht nur die Bundeswehr, sondern auch die Blaulichtfamilie und die Zivilgesellschaft.“

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Generalleutnant Bodemann stellte die aktuelle sicherheitspolitische Lage dar und wies darauf hin, dass Deutschland sich „nicht im Krieg, aber auch nicht mehr im Frieden“ befinde. Anlässlich des 1.000. Tages des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verdeutlichte er, dass Russland mit unserer Angst spiele und sich auf eine langfristige Konfrontation vorbereite. Jährlich würden 1.000 bis 1.500 Panzer produziert, viele davon in Depots gelagert.

Er beschrieb eine hybride Bedrohungslage, die durch Fake News, Cyberangriffe, Ausspähungen und Sabotage gekennzeichnet sei. Ein zentrales Anliegen des Generalleutnants war die Notwendigkeit, die Bundeswehr und den Heimatschutz ausreichend auszustatten. Es fehle an Material und an Menschen. Bodemann rief mehr Menschen zur Mitwirkung im Heimatschutz auf und stellte fest, dass 30 Prozent der Ehrenamtlichen in Deutschland mehrfach engagiert sind. Gleichzeitig fragte er, wie viele Reservisten die Wirtschaft tatsächlich verkraften könne, da Handwerk, Handel und Industrie auch im Krisenfall funktionieren müssen.

Eine stabile Infrastruktur in den Bereichen Mobilität, Datenverkehr sowie Strom- und Wasserversorgung sei essenziell für die Resilienz der Gesellschaft. Bodemann kritisierte die Vernachlässigung von Investitionen in Infrastruktur und Zivilschutz in Deutschland und erinnerte daran, dass Freiheit und Demokratie ihren Preis haben. „Wir müssen dringend aufholen“, so der Generalleutnant.

Er betonte die Rolle Deutschlands als Drehscheibe Europas für die Verteidigung der NATO-Ostflanke und appellierte an die europäische Gemeinschaft, mehr für ihre Sicherheit zu tun. „Das Haus der Verteidigung hat einen militärischen und einen zivilen Teil“, schloss André Bodemann seinen Vortrag. Die zahlreichen Fragen des Publikums zeigten das starke Interesse an diesem wichtigen Thema.