Der EC Bad Nauheim erwies sich trotz oder gerade wegen des aktuell letzten Tabellenplatzes wie erwartet als schwerer Gegner. Die Ravensburg Towerstars fanden dennoch einen Weg zum Erfolg. Das Team von Coach Johan Pennerborn überzeugte beim 4:2 am Freitagabend vor allem durch seine Specialteams und taktische Disziplin.
Die Towerstars mussten erneut auf den verletzten Florin Ketterer verzichten. Nicht dabei sein konnte auch der erkrankte Ilya Sharipov. Dieser wurde von Konrad Fiedler vertreten. Zudem stand wie schon in den Spielen zuvor der Schwenninger Förderlizenzspieler Niclas Hempel in der Aufstellung. Bei den Gästen aus der hessischen Kurstadt waren die schmerzlichen Verletzungsausfälle bereits seit Tagen ein Thema. Umso erleichterter war die Bad Nauheimer Clubführung, dass die Lizenzierung des am Dienstag verpflichteten Marco Pfleger rechtzeitig für diese Begegnung klappte.
Die 2.399 Zuschauer in der Ravensburger CHG Arena sahen bereits nach 35 Sekunden eine Großchance von Mark Rassell, der auf halbrechter Position ECBN-Goalie Jerry Kuhn prüfte. Danach folgte ein flüssiges Spiel mit hohem Tempo. Rekordverdächtig: Das Spiel wurde erst nach sechs Minuten und 13 Sekunden erstmals durch einen Schiedsrichterpfiff unterbrochen. Zwar hatten die Roten Teufel immer wieder Chancen durch Konter, die klaren optischen Vorteile und auch die qualitativ besseren Chancen verbuchten jedoch die Towerstars. Die Fans mussten sich allerdings in Geduld üben, denn erst in der 18. Minute wurden die offensiven Aktionen auch belohnt. Bad Nauheim hatte mit Raphael Jakovlev einen Akteur auf der Strafbank. Das flüssige Powerplay schloss Odeen Tufto per Direktabnahme zum verdienten 1:0 ab.
Im zweiten Spielabschnitt gab es für Team und Fans zunächst eine Schrecksekunde zu überstehen. Ein frei liegender Puck wurde von Denis Pfaffengut gerade noch von der Linie gekratzt. Die Cracks von Johan Pennerborn verstanden dies als Warnung, spielten die Scheibe wieder konsequenter aus der eigenen Zone und machten ordentlich Druck. Beispielsweise in der 27. Minute, als Simon Schütz einen starken Pass durch die Gästeabwehr spielte. Der gut postierte Nick Latta fand jedoch in Jerry Kuhn seinen Meister. Noch in derselben Minute wurde das deutliche Chancenplus dann doch belohnt. Matthew Struthers fing in der neutralen Zone einen schlampigen Pass des Gegners ab und legte vor dem Tor uneigennützig quer auf Ryan Odude – 2:0.
Wer glaubte, das Spiel würde nun noch leichter von der Hand laufen, sah sich jäh getäuscht. Die Oberschwaben arbeiteten vor dem eigenen Tor nicht mehr so konsequent. Prompt drückte Joel Keussen den Puck zum 2:1-Anschlusstreffer über die Linie. Das nächste Unheil folgte prompt durch eine Strafzeit gegen Maximilian Merkl. Der durfte nach nur sieben Sekunden allerdings schon wieder aufstehen, als Pierre Preto den Puck zum 2:2 einnetzte. Die Partie drohte nun sogar komplett zu kippen. Torhüter Konrad Fiedler bot allerdings eine fehlerfreie Leistung. In der Schlussphase des Mitteldrittels übernahmen die Towerstars dann wieder das Kommando, einige Großchancen blieben jedoch ohne zählbaren Erfolg.
Die letztliche Schlüsselszene des Spiels gab es 21 Sekunden vor der zweiten Pause. Die Gäste kassierten eine Strafzeit, die den Towerstars im Schlussdrittel ein Powerplay ermöglichte. Der Druck war groß. Bad Nauheim leistete sich in der 42. Minute gar ein weiteres Foul und das nutzte Odeen Tufto eiskalt aus. Vom linken Bullypunkt aus hämmerte er den Puck zum 3:2 in den rechten Torwinkel. Die nachfolgende Überzahl blieb trotz Großchancen ungenutzt.
Die knappe und hart erkämpfte Führung geriet im Schlussdrittel vor allem ab der 50. Minute in Gefahr. Robbie Czarnik musste für vier Minuten auf die Strafbank. Die Ravensburger Unterzahlreihen arbeiteten jedoch äußerst effektiv und ließen gemeinsam mit Konrad Fiedler zwischen den Pfosten keinen Treffer zu. Kaum wieder komplett, durften die Zuschauer die Entscheidung bejubeln. Nikita Kessler setzte sich im Zweikampf am rechten Bullypunkt durch, zog entschlossen Richtung Tor und ließ anschließend Jerry Kuhn mit einem druckvollen Rückhandschuss keine Chance.
Zwar nahm Bad Nauheim in der Schlussminute eine Auszeit und holte den Torhüter für einen sechsten Feldspieler vom Eis, es blieb jedoch beim letztlich auch verdienten 4:2-Heimsieg der Towerstars. „Das Spiel tat nach den Erfahrungen in Dresden vergangenen Sonntag natürlich gut. Die Jungs haben sich für die harte Trainingswoche belohnt. Zwar haben wir nach dem ersten Gegentreffer etwas den Faden verloren, doch sie konnten das Spiel wieder zurückholen“, sagte Towerstars-Coach Johan Pennerborn nach dem Spiel.
Dank der drei Punkte haben die Oberschwaben auch Selbstvertrauen für das äußerst schwere Auswärtsspiel am Sonntag in Memmingen tanken können. Der Aufsteiger aus der Oberliga hat am Freitag die Lausitzer Füchse mit 6:0 nach Hause geschickt und eroberte damit sogar Platz drei. Spielbeginn ist um 18.30 Uhr. Das Spiel wird live auf Sporteurope.TV übertragen.

