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August Schuler warnt vor Vertrauensverlust auf der Südbahn

Symbolbild: F.Enderle

Mit deutlicher Kritik reagiert August Schuler MdL, Mitglied und Stellvertretender Vorsitzender im Verkehrsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg, auf den Stand der Planungen zur dreimonatigen Sperrung der Südbahn ab März 2026. Anlass ist ein Schreiben der IHK Bodensee-Oberschwaben an Verkehrsminister Winfried Hermann, in dem erhebliche Defizite beim geplanten Schienenersatzverkehr benannt werden. Noch immer fehle ein verlässliches und kundenorientiertes Gesamtkonzept für den Schienenersatzverkehr (SEV).

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„Ein Minimal-Ersatzverkehr ist nicht hinnehmbar. Schon gar nicht wenige Wochen vor Beginn einer seit einem Jahr bekannten Sperrung“, erklärt Schuler. „Die Menschen brauchen Planungssicherheit. Wer pendelt, wer Mitarbeitende organisiert oder wer Gäste an den Bodensee bringt, kann nicht auf Sicht fahren.“ Die Südbahn sei die zentrale Verkehrsachse für den gesamten östlichen Bodenseeraum. Sie verbinde Arbeitsplätze, Wirtschaftsstandorte und touristische Ziele. Auch für die Nachbarregionen in Vorarlberg und der Ostschweiz sei sie von großer Bedeutung.

„Der Erfolg der Elektrifizierung darf nicht innerhalb von drei Monaten verspielt werden. Vertrauen ist schnell verloren und nur schwer zurückzugewinnen“, so Schuler. Besonders kritisch sieht der Abgeordnete für den Wahlkreis Ravensburg und Betreuungsabgeordneter für den Raum Friedrichshafen die bislang absehbare Ausgestaltung des Ersatzverkehrs. „Eine Sparvariante mit langen Reisezeiten und schlechten Anschlüssen treibt die Fahrgäste weg. Das schadet dem öffentlichen Verkehr und den Klimazielen gleichermaßen.“ Notwendig seien leistungsfähige Tangentialverbindungen zwischen Ravensburg, Friedrichshafen, Markdorf und Langenargen sowie eine umsteigefreie Erreichbarkeit zentraler Ziele wie Hafenbahnhof, Messe und große Arbeitgeber.

Auch die Information der Fahrgäste sei bislang unzureichend. „Es fehlt an klaren Fahrplänen, verständlichen Hinweisen und einer funktionierenden Lenkung an den Bahnhöfen Ravensburg und Friedrichshafen. Wer den öffentlichen Nahverkehr stärken will, muss die Menschen ernst nehmen und rechtzeitig informieren.“ Unterstützung erhält Schuler vom Vorsitzenden des Arbeitskreises Verkehr der CDU Landtagsfraktion, Thomas Dörflinger MdL, der den Wahlkreis Biberach vertritt. „Gerade bei großen Baustellen entscheidet Kommunikation über Akzeptanz“, betont Dörflinger. „Wir erwarten vom Verkehrsministerium ein verlässliches Gesamtkonzept. Regionale Partner aus Kommunen, Wirtschaft und Verkehr müssen frühzeitig eingebunden werden. Das ist bislang nicht ausreichend geschehen.“

Die CDU verweist auf aktuelle Erfahrungen von anderen Strecken im Land. Dort habe sich gezeigt, dass Probleme im Schienenersatzverkehr weniger an fehlenden Fahrzeugen, sondern vor allem an mangelnder Vorbereitung, unklarer Fahrgastinformation und fehlender Abstimmung vor Ort lagen.

„Das Land und die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) tragen die Verantwortung“, stellt Schuler klar. „Es braucht jetzt kurzfristig Entscheidungen, ausreichend Budget und eine konsequente Ausrichtung auf die Fahrgäste. Alles andere wäre ein fatales Signal für den öffentlichen Nahverkehr im Bodenseeraum.“