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Wolfgang Niedecken nahm Preis entgegen 

Wolfgang Niedecken, Frontmann von „BAP“ hat in seiner Karriere schon unzählige Preise in Empfang genommen. Doch was ihm die Vertreter des Vereins „Freunde der Räuberhöhle“ am Dienstagnachmittag verliehen habe, hatte schon einen besonderen Charakter. Für sein während der gesamten Karriere geprägtes Engagement gegen Rassismus und rechte Strömungen erzielt er den „Widerstandspreis“. Neben einer von Markus Mayer gestalteten Skulptur erhielt er – quasi standesgemäß für die Räuberhöhle einen Geldsack mit 500 Euro in Münzgeld. Diesen will der Sänger gleich weitergeben an sein Entwicklungshilfe-Projekt „Rebound“, das derzeit Zwangsprostituierten Mädchen im Kongo neue Zukunftschancen eröffnet.

Dass sich Wolfgang Niedecken wenige Stunden vor seinem Konzert in der Ravensburger Oberschwabenhalle die Zeit nimmt, im Kreise von Medienvertretern und des Vereins Freunde der Räuberhöhle den Widerstandspreis entgegen zu nehmen, macht den Ur-Kölner Sänger noch sympathischer, als er sich ohnehin schon auf der Bühne, in Talkshows oder bei sonstigen öffentlichen Auftritten gibt. Niedecken war und ist kein Künstler, der seine politischen Meinungen mit mahnendem Zeigefinger und kalkuliert öffentlichkeitswirksam in die Öffentlichkeit schickt. Viel lieber ließ er in seiner Karriere vor allem unter „BAP“ die Musik sprechen. Wolfgang Niedecken sagte bei der Preisübergabe, dass das Engagement gegen Rassismus eigentlich selbstverständlich sein sollte. In postfaktischen Zeiten sei dies aber höchst in Frage gestellt. „Das Eis wird jeden Tag dünner und wir müssen umkehren. Alle anständigen Menschen müssen gegen Rechts zusammenstehen“, sagte Niedecken.

Bild: F.Enderle

Daher schwenkte er auch gerne nochmals über auf die „Freunde der Räuberhöhle“.  Er lobte den Verein für den aufopferungsvollen Kampf für den Erhalt diese Kult-Kneipe. „Ich dachte, die ist schon längst zu“, sagte Niedecken, der schon vor Jahren von den Problemen der Gaststätte auch im fernen Köln immer wieder einmal die Probleme mit der Immobilie und den Plänen der Besitzer mitbekommen hatte. Dies dürfte wohl sicher auch der Grund gewesen sein, weshalb Wolfgang Niedecken den Initiatoren des verliehenen Preises auch etwas zurückgeben wollte. „Ob ein Preis jetzt der Bundespräsident verleiht oder die Leute von der Räuberhöhle, ist nicht entscheidend. Das sind alles ehrenwerte Leute. Einfach auch mal ihren Widerstand leisten, einfach auch um diese Kneipe zu retten. Viele Leute haben resigniert um für etwas zu kämpfen und ziehen sich zurück.“

Wolfgang Niedecken widmete sich in seiner Karriere nicht immer nur den vermeintlich großen Themen, sondern genauso den gesellschaftlichen Probleme vor der Haustüre. Hier lässt sich beispielsweise auch der Bogen zum Titel „Lisa“ spannen, der 1986 auf dem sechsten BAP Album  „Ahl Männer, aalglatt“ erschienen ist. Die Idee dafür holte sich Niedecken nämlich in der „Räuberhöhle“, als er nach einem Konzert in der Oberschwabenhalle noch auf ein Bierchen auftauchte. In der dort familiären Atmosphäre erfuhr er von der Geschichte einer vermeintlich geistesgestörten Frau, die in ihrem Leben so allerhand zu bewältigen hatte und letztlich daran verzweifelte. Die Geschichte war echt, der Name „Lisa“ natürlich frei gewählt. Für Niedecken und BAP war dieser Song aus dem Leben auch ein klares Zeichen an die eigene Musik. „Wir sind nie ins Studio gegangen, einen Hit zu schreiben, sondern haben das immer für uns selber getan“, sagte der Musik. Dass BAP und Niedecken später auch auf Solopfaden trotzdem Erfolg hatte, nicht nur durch Millionen Platten- und CD Verkäufe spricht für sich. Musikproduktionen, die von vorneherein auf Kommerz abzielen und letztlich Radio- und TV Stationen bestimmen, welche Musik „on air“ geht, dazu hatte Wolfgang Niedecken eine klare Ansage. „Wenn das Radio unsere Musik spielt, gerne. Aber wir werden nicht dem Radio hinterherlaufen. Der Hund sollte mit dem Schwanz wedeln und nicht umgekehrt.“

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