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Tagestourismus überraschend stark 

WEINGARTEN
Tourist ist nicht gleich Tourist. Nicht nur Übernachtungsgäste, sondern auch Tagestouristen spielen eine entscheidende Rolle für den Bodenseetourismus. Nun liefert eine aktuelle Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif e.V.) der Universität München den Beleg dafür: Gerade Tagestouristen prägen das Bild rund um den Bodensee. „Bei der Beauftragung der Studie ging es uns in erster Linie darum, den Wirtschaftsfaktor Tourismus am Bodensee grenzübergreifend zu untersuchen. Wir wollten wissen, welche Auswirkungen der Tourismus auch für andere Branchen mit sich bringt und wer in welcher Form vom Tourismus profitiert. Dabei war es für uns entscheidend zu wissen, welchen Faktor der Tagestourismus spielt“, so Professor Dr.-Ing. Peter Jany, Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben, stellvertretend für die Auftraggeber der Studie.

Zunächst untersuchte Dr. Bernhard Harrer, Vorstand des dwif e.V. und Experte in Sachen Tourismuswirtschaft, die Anzahl der Übernachtungen rund um den Bodensee in Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein sowie deren Ausgaben für Übernachtung, Aktivitäten, Einkäufe, Verpflegung und sonstige Ausgaben. Dabei kam Harrer auf insgesamt 17,6 Millionen Übernachtungen für das Jahr 2012 mit einem Umsatzvolumen von knapp 1,9 Milliarden Euro. Für den gleichen Zeitraum ermittelte Harrer in einem zweiten Schritt eine Anzahl von 70 Millionen Tagesgästen mit einem Umsatzvolumen von insgesamt etwas über 1,9 Milliarden Euro. Damit bringen die Tagestouristen deutlich mehr Umsätze als zum Vergleich beispielsweise der gesamte Tagestourismus des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern mit seiner Ostseeküste, Seenplatte und der Insel Rügen. „Dieses Ergebnis hat uns in seiner Deutlichkeit überrascht und ist ein Beleg für die besondere Bedeutung des Tagestourismus am Bodensee. Die Tagestouristen am Bodensee generieren etwa gleich viel Umsatz wie die Übernachtungsgäste. Tagestourismus und Übernachtungen sind in ihrer Wichtigkeit am Bodensee auf Augenhöhe“, so Jany.

Die Studie ergab einen Gesamtbruttoumsatz des Tourismus von 3,8 Milliarden Euro für die Bodenseeregion. Das dwif e.V. leitet daraus 60.000 Arbeitsplatz-Äquivalente im Untersuchungsgebiet ab. Die wirtschaftliche Bedeutung der Tourismuswirtschaft rund um den internationalen Bodensee ist aber nicht in jeder Teilregion und jeder Stadt gleich groß. Insgesamt entfallen auf den deutschen Teil der Bodenseeregion 60 Prozent der ermittelten Bruttoumsätze, auf die Schweiz und Liechtenstein etwa ein Viertel und auf Österreich 15 Prozent.

Weitere interessante Ergebnisse lieferte die Untersuchung zu den Auswirkungen des Tourismus auf andere Wirtschaftsbranchen. „Die Verflechtung ist groß. So profitieren zum Beispiel viele Einzelhandelsbetriebe, Handwerksbetriebe und die lokalen und regionalen Verkehrsträger von der florierenden Tourismuswirtschaft. Mit 1,9 Milliarden Euro profitiert das Gastgewerbe am stärksten von den Ausgaben der Touristen. Gut 1 Milliarde Euro fließt in die Kassen der Einzelhändler, aber auch eine große Zahl der Dienstleistungsbetriebe rund um den See wird gestärkt, denn auf sie entfallen 875 Millionen Euro“, erläutert Harrer. Auch hier lohnt ein genauer Blick auf die Tagesreisenden. Insgesamt gaben laut Studie für den Erhebungszeitraum die Tagestouristen pro Kopf und Tag durchschnittlich 27,50 Euro aus. Bei den Übernachtungsgästen sind dies 107,30 Euro. Auf eine Übernachtung kommen rund vier Tagestouristen. Diese sind es auch, die den größten Teil ihrer Ausgaben im Einzelhandel tätigen: Sie spülen rund 800 Millionen Euro in die Kassen der Einzelhändler, die Übernachtungsgäste geben dagegen mit rund 230 Millionen deutlich weniger im Einzelhandel aus.

„Die vergleichsweise große Bedeutung des Tagestourismus sollte für uns Ansporn und Warnung zugleich sein. Gerade Tagestouristen legen Wert auf schnelle Reisezeiten, ihre Leidensfähigkeit ist begrenzt. Die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur am Bodensee auf Straße und Schiene ist aber unzureichend“, gab IHK-Hauptgeschäftsführer Jany zu bedenken. Den Handlungsbedarf haben die Bodensee Industrie- und Handelskammern (B-IHK) mit ihrer Broschüre „Lückenland“ aufgezeigt: Die Fernstraßen gehören bedarfsgerecht ausgebaut und die Schienenstrecken müssen rundum elektrifiziert werden. Damit bestünde weiteres großes Potenzial für noch mehr Tagestouristen. „Wenn man bedenkt, dass laut der aktuellen dwif-Studie rund 350 Millionen Euro pro Jahr allein an Mehrwertsteuer durch den Bodensee-Tourismus generiert werden und die Touristen darüber hinaus weitere Verkehrsabgaben zu leisten haben, darf man schon erwarten, dass die Anrainerstaaten mehr in die Infrastruktur investieren“, fordert Jany.

Die Wichtigkeit der gemeinsamen Vermarktung der Tourismusdestination hob Thomas Willauer, Sprecher des Verbandes der Tourismuswirtschaft Bodensee (VTWB e.V.) hervor: „Der Bodensee kann nur als Einheit sinnvoll vermarktet werden, denn so wird er auch von unseren Besuchern wahrgenommen. Die Wettbewerbsfähigkeit der Destination Bodensee muss auch durch die Erschließung neuer Zielgruppen langfristig gesichert werden.“ Um insbesondere die hier lebenden Menschen zu erreichen, ist die Veranstaltungsreihe „Mein Bodensee“ mit dem Fotografen Achim Mende aus Überlingen, die ab Spätsommer durch die Region tourt, konzipiert worden.

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