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Schülerin gestaltet „Fastentuch“ aus alten Druckblechen 

Dreieckig – praktisch – leicht. Einen glanzvollen Auftritt erfahren ausgediente Offset-Druckbleche, aus denen die 18-jährige Kyra Abt das Fastentuch in der Liebfrauen-Kirche gestaltet hat. Mit dem spirituellen Kunstwerk wird das große Kreuz von Aschermittwoch bis Karfreitag verhüllt. Dargestellt ist das Antlitz von Jesus, wie es sich der Legende nach im Schweißtuch der Veronika auf dem Weg zur Kreuzigung niedergeschlagen hat. Damit wird im doppelten Sinne das Thema „Wer ist der Christ?“ aufgegriffen, das auch Thema der Fastenpredigtreihe ist – bezogen zum einen auf Christus und zum anderen auf den einzelnen Christen.

Die Schülerin des Kunstprofils am Welfen-Gymnasium ist in der Umsetzung des Projektes von Mitschülern und vor allem von ihrem Kunstlehrer Uli Schubert unterstützt worden. Das ca. 5,50 Meter breite und 6 Meter hohe Fastentuch gleicht einem überdimensionalen Puzzle aus 150 gleichschenkligen Dreiecken – geschnitten aus 0,3 mm dünnen Offset-Druckblechen. Zehn Reihen breit und fünfzehn Reihen lang sind die Elemente auf der Rückseite von A 1 bis J 15 durchnummeriert.

Das Bild des Schweißtuches wurde über den Beamer in der Schule hochvergrößert und dann in die Dreiecke aufgeteilt. Mit schwarzem Kunstharzlack haben Kyra Abt und ihre Mitschüler ein Element nach dem anderen entsprechend der größeren Vorlage bemalt, so dass die vielen Einzelteile ein großes Ganzes ergeben.

Von der Idee im Dezember bis zur fertigen Umsetzung vergingen zahlreiche Stunden. „Kunst bedeutet auch ziemlich viel gedankliche Arbeit“, beschreibt Kunstlehrer Uli Schubert die Entstehungsgeschichte. Zusammen mit der Elftklässlerin hat er bewusst das Abbild Christi vom Schweißtuch der Veronika als Vorlage gewählt – und nicht z. B. das viel bekanntere „Turiner Grabtuch“. Schließlich gehe es in der christlichen Fastenzeit um den Weg Jesu ans Kreuz, das Grabtuch-Abbild zeige ihn aber erst nach dem Kreuzestod. Außerdem stehe dieses Bild für den leidenden Christus, der als Mensch gelitten habe. Hierin könnten auch Menschen, die leiden, Trost und Hoffnung aus dem Glauben erfahren. Symbolisiert werde dies durch mögliche Spiegelungen in den unbemalten Metallflächen, die gleich einem Spiegel die Umwelt zeigen.

„Christsein – nicht grundlos“ als Thema der Fastenpredigtreihe greift Kyra Abt zudem mit Sätzen und Worten auf, die mit weißer Kreide auf die Dreiecke geschrieben wurden – klar zu entziffern auf den schwarzen, zu erahnen auf den blanken Flächen. „Was nur nach einigen Schlagworten oder Zitaten aussieht, war ebenfalls ein schönes Stück künstlerischer Arbeit“, erläutert der Kunstpädagoge. Einige Beispiele: „Gibt es denn Christen? Ich habe noch nie welche gesehen“ (Denis Diderot); „Als Christ soll man den Mund nicht weiter aufmachen als die Hand“ (Joachim Meisner“; „Christ ist der Mensch, der sein Heil, seine Rettung, seine Gerechtigkeit nicht mehr bei sich selbst sucht, sondern bei Jesus Christus alleine“ (Dietrich Bonhoeffer).

Diese Wort- und Satzfetzen laden zusammen mit der Gesamtsymbolik die Betrachter ein, über Jesus Christus, über die Gemeinde Christi und ihr persönliches Christsein nachzudenken. Angeregt wird dieser Effekt durch die schmalen Lücken zwischen den Dreiecken, wodurch sich der Gesamteindruck auch mit den farbigen Kirchenfenstern auf der Ostseite des Chores vermische. Die Dreiecke stehen, so Uli Schubert, zudem als altes christliches Symbol für die Dreieinigkeit Gottes. Zur persönlichen Auseinandersetzung mit dem Fastentuch regen auch Klappkarten mit entsprechenden Impulsen an, die in der Kirche zum Mitnehmen ausliegen.

Für die junge Künstlerin Kyra Abt ist das Fastentuch auf der einen Seite ein herausforderndes Kunstprojekt für eine breite Öffentlichkeit, auf der anderen Seite aber auch eine positive Auseinandersetzung mit ihrem persönlichen christlichen Glauben.

 

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