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Ravensburger Kontaktladen steht vor dem Aus 

Der Kontaktladen für Drogenabhängige und Gefährdete in der Ravensburger Rosmarinstraße muss zum Jahresende geschlossen werden. Die verbliebenen Gesellschafter sehen sich zu diesem Schritt gezwungen, nachdem Stadt und Landkreis bezüglich Finanzierung keine Zusage machen.

Im November hätte man den 20. Geburtstag feiern wollen. Den 20. Geburtstag einer Einrichtung, die von vielen nach anfänglicher Skepsis mittlerweile als segensreich bezeichnet wird und die sich längst etabliert hat. Die Rede ist vom Kontaktladen „die Insel“ in der Ravensburger Rosmarinstraße. Diese Einrichtung hat wesentlich dazu beigetragen, dass die offene Drogenszene in Ravensburg weitgehend verschwunden ist. Drogenabhängige und Suchtgefährdete finden hier niederschwellig gesundheitsfördernde Angebote und Beratung. Täglich suchen etwa 25 Personen den Kontaktladen auf: zum Spritzentausch, für eine günstige warme Mahlzeit, zum Wäschewaschen für Unterstützung bei Verhandlungen mit Ämtern oder zum Telefonieren.

Nun mussten die verbliebenen Gesellschafter der Suchthilfe gGmbH die Auflösung ihrer Gesellschaft zum Jahresende beschließen. Bereits 2015 hatten die Diakonie, die Zieglerschen und auch die Caritas den Vertrag gekündigt. Die Caritas hatte zwar nochmals um ein Jahr verlängert. Als auch der Landkreis aus dem Netzwerk ausstieg, zog Caritas–Geschäftsführer Ewald Kohler die Reißleine. Auch das ZfP stimmte dem Auflösungsbeschluss zu. Thomas Fritschi, Leiter der Suchtabteilung am ZfP Südwürttemberg in Weissenau und langjähriger Begleiter des Kontaktladens, sagt: „Alleine sehen wir uns nicht in der Lage, den Kontaktladen weiter zu betreiben, weil der Löwenanteil der Finanzierung ungeklärt ist.“

Rund 150.000 Euro jährlich gilt es für die betreibenden Gesellschafter zu finanzieren. Davon können gut 50.000 Euro durch Zuschüsse des Landes sowie durch Einnahmen aus Bußgeldzuwendungen und Spenden gedeckt werden. Fast 100.000 Euro aber sind nicht gesichert. Zwischen Stadt und Landkreis konnten die Verantwortung und letztliche Finanzierung nicht geklärt werden.

Einig sind sich alle bisherigen und auch die verbliebenen Partner im Suchthilfenetzwerk, dass für den Kontaktladen nach wie vor Bedarf besteht. „Im Kontaktladen werden Drogenabhängige erreicht, die sonst keinen Zugang zu Hilfemöglichkeiten haben“, betont Thomas Fritschi. Durch das vertrauensvolle und vertrauliche Arbeiten hätten die Mitarbeitenden im Kontaktladen, nicht zuletzt auch die jeweiligen Streetworker, Personen Perspektiven aufzeigen können, die sonst „durch die Maschen gefallen wären“, sagt Fritschi. Jährlich bewahrt der Kontaktladen viele Abhängige vor schweren gesundheitlichen Schäden. Im Ernstfall rufen sie auch den Notarzt oder vermitteln die Aufnahme ins Notbett der ZfP-Station in Mariatal, das für diese Klientel stets bereit steht.

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