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Politik trifft Psychiatrie 

MECKENBEUREN
Im Rahmen der landesweiten Aktionswoche der baden-württembergischen Krankenhausgesellschaft „Patientensicherheit und Qualität“, hat der Landtagsabgeordnete Manne Lucha auf Einladung der St. Lukas-Klinik der Stiftung Liebenau einen Vormittag lang auf der internistischen Station der Spezialklinik für Menschen mit geistiger Behinderung verbracht. Er nahm an einer Aufnahmeplanung teil, begleitete die Visite und tauschte sich mit der Klinikleitung über Finanzierungsfragen aus.

Wie in allen Krankenhäusern wird auch in der internistischen Station der St. Lukas-Klinik seit Jahren nach Fallpauschalen, den DRG (Diagnosis Related Groups) abgerechnet. „Dieses System trägt für uns als Spezialklinik nicht“, stellte Verwaltungsleiterin Irmgard Möhrle-Schmäh fest. „Wir haben es, bedingt durch die Patientengruppe, die wir behandeln, mit einem umfangreichen Begleitszenario zu tun“, erläuterte Chefarzt Jürgen Kolb. Die Patienten könnten zum Beispiel aufgrund ihrer Behinderung oftmals weder ihre Beschwerden beschreiben, noch Schmerzen lokalisieren. Die Suche nach einer Diagnose sei deshalb langwierig. Auch rufen diagnostische Maßnahmen häufig Ängste und Unruhezustände hervor. Manche Untersuchungen lassen sich dann beispielsweise nur unter Vollnarkose durchführen. Auch die Therapien sind aufwändiger als bei Patienten, die keine Behinderung haben. Medikamente werden häufig schlechter vertragen, sodass die Einstellung sehr vorsichtig erfolgen muss. Darüber hinaus müssen in der Regel für alle Schritte, die die St. Lukas-Klinik unternimmt, die gesetzlichen Betreuer in die Behandlung einbezogen werden. „Als Kompetenzzentrum sind wir in der Lage für den Personenkreis ein wichtiges Leistungsangebot zu machen“, stellt Kolb fest.

Lucha, der sich selbst als „Radikalinkludierer“ bezeichnete, zeigte sich beeindruckt von der Haltung, mit der die Patienten in der St. Lukas-Klinik behandelt werden. Für ihn ist klar, dass die DRGs im Hinblick auf solche Patienten nicht passen. „Denn das Angebot an passgenauen Hilfen für diesen Personenkreis muss erhalten werden. Die Kompetenzen dieser Spezialeinrichtung werden immer gefragt sein.“ Wie gefragt sie sind, zeigt die lange Warteliste (derzeit rund 100 Patienten). Die St. Lukas-Klinik hat daher beim Sozialministerium den Antrag auf ein zusätzliches tagesklinisches Angebot gestellt. Hier versprach Lucha seine Unterstützung.

Auch das pauschalierende Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP), das 2017 eingeführt werden soll, wurde thematisiert. Von dieser leistungs- und tagesbezogenen pauschalen Vergütung sind in der St. Lukas-Klinik die kinder- und jugendpsychiatrische Abteilung und die Abteilung für Erwachsenenpsychiatrie betroffen. Auch hier war sich Lucha mit der St. Lukas-Klinik einig, dass die patientenbedingt besonderen Herausforderungen nicht ausreichend berücksichtigt sind.

Die St. Lukas-Klinik
Die St. Lukas-Klinik in Liebenau ist ein hoch spezialisiertes Kompetenzzentrum für der Behandlung von Menschen aller Altersstufen mit geistigen Behinderungen, Intelligenzminderungen und schweren Kommunikationsstörungen, die psychisch und oder internistisch erkrankt sind. In drei stationären Abteilungen (Kinder- und Jugendpsychiatrie, allgemeine Psychiatrie und Innere Medizin) wurden im Jahr 2013 rund 900 Patienten behandelt. Der Einzugsbereich ist überregional.

Darüber hinaus verfügt die St- Lukas-Klinik über Ambulanzen zur allgemeinmedizinischen, psychiatrischen, neurologischen, zahnmedizinischen, ergo- und physiotherapeutischen Behandlung. Angegliedert ist auch ein Sozialtherapeutisches Heim zur Entwicklungsförderung von Menschen mit geistigen Behinderungen, psychischen Auffälligkeiten und hohem medizinischen Betreuungsbedarf.

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