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Neu gewählte IHK-Vollversammlung nimmt Arbeit auf 

WEINGARTEN
Die im Frühjahr für die Amtsperiode 2018 bis 2023 neu gewählte Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) tagte bei ihrer nach der Konstituierung ersten öffentlichen Sitzung in Weingarten. Man werde sich auch künftig in jeder Sitzung mit einem Schwerpunktthema beschäftigen, kündigte der seit Juli amtierende IHK-Präsident Martin Buck an.

Außerdem werde jedes Mal ein anderes Präsidiumsmitglied mit einem kurzen Impulsvortrag zu einem bestimmten Thema berichten. Buck selbst machte den Anfang mit dem Thema Industrie 4.0 und informierte die Wirtschaftsvertreter über die intelligente Vernetzung von Dingen und Diensten – von Smart Mobility über Smart Logistics und Smart Factory bis hin zu Smart Buildings oder Smart Grids – über wichtige Schnittstellen, Feldbus und Big Data. Industrie 4.0 erfordere mehr Sensorik und Aktorik in der Produktion, so Buck. „Die Datenmengen werden explodieren“, sagte er und verwies auf beispielsweise circa 30 Terabyte Daten pro Jahr, die aktuell von einer Werkzeugmaschine erzeugt werden.

Grundvoraussetzung dafür sei eine gute digitale Infrastruktur mit Breitband und Glasfaser. „Daten und Infos müssen an jedem Standort eines Unternehmens stabil und echtzeitnah verfügbar sein“, so der IHK-Präsident. Gleichfalls wichtig für die digitale Entwicklung sei eine Verfügbarkeit der erforderlichen Fachkräfte. „Wenn nicht alle Fachkräfte hier in der Region gefunden werden können oder bereit sind umzuziehen, so kann es helfen, diese auch über große Distanzen mit den Unternehmen in der Region über digitale Medien zusammenarbeiten zu lassen, aber auch dafür ist eine gute Breitbandinfrastruktur notwendig, um zum Beispiel Webkonferenzen, Videotelefonie zu nutzen oder Bildschirminhalte in Echtzeit zu teilen“, so Buck.

Künftige Arbeits- und Aktionsfelder
r Jany. Er forderte die gewählten Wirtschaftsvertreter dazu auf, entsprechende Wünsche und Vorschläge einzubringen. „Was bewegt Sie? Was ist aus Ihrer Branche zu hören?“ fragte er und verwies auf die Ergebnisse der im vergangenen Jahr durchgeführten IHK-Standortumfrage, in deren Rahmen bei über 10.000 regionalen Unternehmen knapp 30 Standortfaktoren aus vier verschiedenen Themenfeldern abgefragt wurden. Rund 2.100 Betriebe haben geantwortet, das entspreche einem guten Rücklauf von 21 Prozent, sagte Dr. Wolfgang Heine, IHK-Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik, der die Umfrageergebnisse in der Sitzung vorstellte. Für 19 Kommunen in der IHK-Region lägen repräsentative Ergebnisse vor. 73 Prozent der antwortenden Unternehmen würden ihren Standort Bodensee-Oberschwaben weiterempfehlen, berichtete Heine und verschwieg dabei nicht, dass laut Parallelumfragen der Nachbar-IHKs in der Region Reutlingen 75 Prozent von ihrem Standort überzeugt sind und in der Region Ulm sogar 82 Prozent.

Handlungsbedarf in der Region Bodensee-Oberschwaben gibt es laut Umfrage vor allem in Sachen Breitbandversorgung. Hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Auch bei den beruflich qualifizierten Fachkräften, in Sachen Wohnraum, Erreichbarkeit Straße und bei den Kosten für Gewerbeimmobilien ist die Diskrepanz zwischen Wichtigkeit und Zufriedenheit groß. Zufrieden sind die antwortenden Unternehmen hingegen mit der Versorgungssicherheit Strom, dem Image der Region, der allgemeinen Sicherheit, den Einkaufsmöglichkeiten und der medizinischen Versorgung. Vor allem bei härteren Standortfaktoren sei die Zufriedenheit geringer, gab Heine zu bedenken. Die Region punkte eher bei den weichen Standortfaktoren.

Bei der anschließenden Themenfindung für künftige Arbeits- und Aktionsfelder erhielt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jany dann zahlreiche Anregungen aus der Vollversammlung: Das Interessenspektrum reichte von Digitalisierung, Fachkräftesicherung und Marketing für die duale Ausbildung über Energie- und Verkehrsthemen, Steuer und Abschreibung, Unternehmensnachfolge, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Arbeitsrecht und Mindestlohn bis hin zur Knappheit von Gewerbeflächen, der Erreichbarkeit von Innenstädten und anderen Themen. Man werde jetzt ein entsprechendes Arbeitspapier erstellen und das Programm dann der Vollversammlung vorlegen, kündigte Jany an.

Positionierung zur BreitbandförderungA
ls zusätzliche Grundlage für die politische Arbeit der IHK-Bodensee-Oberschwaben beschloss die Vollversammlung einstimmig das Positionspapier des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK) zum Thema Breitbandförderung. Die I
HK Bodensee-Oberschwaben äußere sich bereits seit Jahren auf der Basis der von der Vollversammlung beschlossenen politischen Positionen in hoher Regelmäßigkeit und Deutlichkeit zur Problematik der Breitbandverfügbarkeit, berichtete Dr. Sönke Voss, IHK-Geschäftsbereichsleiter IT/Innovation/Technologie, und verwies auf zahlreiche Medienveröffentlichungen.

Das Positionspapier des BWIHK adressiere die Ausrichtung auf eine flächendeckende Glasfaserversorgung, die zusätzliche Aufnahme des Wirtschaftlichkeitslückenmodells, die Prüfung alternativer Verlege-Techniken, eine bessere Verzahnung von Bundes- und Landesförderung, die Beschleunigung der Förderverfahren sowie die Überbauproblematik und das Thema Open Access. In der Region Bodensee-Oberschwaben sei in gemeinsamem Schulterschluss und über die Arbeit verschiedener Zweckverbände in den Landkreisen schon viel in Sachen Breitbandausbau erreicht worden, so Dr. Voss weiter. Der Netzausbau sei allerdings in erster Linie Aufgabe der privatwirtschaftlichen Telekommunikationsanbieter, betonte er.

Besetzung der IHK-Ausschüsse
Einstimmige Zustimmung erteilten die Vollversammlungsmitglieder der Einsetzung verschiedener Ausschüsse sowie einer Berufung der in den vom IHK-Hauptamt erstellten Besetzungsvorschlägen benannten Personen. Mit dem Berufsbildungsausschuss, den ehrenamtlichen Rechnungsprüfern sowie Energie-, Handels-, Haushalts- und Finanz-, Sachverständigen- und Verkehrsausschuss werden sieben bestehende Ausschüsse weitergeführt. Als achter IHK-Ausschuss neu hinzugekommen ist der Steuerausschuss.

Aktuelles aus der IHK-Arbeit
Von der aktuellen regionalen Ausbildungsplatzsituation berichtete Markus Brunnbauer, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Ausbildung. Zum Stichtag 30. September verzeichne die Region 2.380 neu eingetragene Ausbildungsverträge und damit ein Minus von 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei den kaufmännischen Berufen liegt der Rückgang bei 5 Prozent, bei den Hotel- und Gaststättenberufen bei rund 15 Prozent. Mit 36,2 Prozent sei hier vor allem die Zahl der angehenden Köche seit dem Jahr 2000 stark gesunken. Bei den gewerblich-technischen Berufen hingegen ist die Zahl der Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen.

Während die Zahl der Bankkaufleute in den vergangenen vier Jahren um 44,8 Prozent rückläufig ist, legte der Beruf Fachinformatiker um 81,7 Prozent zu. Steigender Nachfrage erfreut sich mit plus 4 Prozent auch der Beruf Verkäufer. Im Logistikgewerbe weisen laut Brunnbauer die Ausbildungen zum Fachlageristen und zur Fachkraft für Lagerlogistik ein starkes Potenzial auf. Besonders erfreulich sei, so Brunnbauer, dass aktuell 157 Geflüchtete eine Ausbildung absolvieren.

Über den Sachstand Bundesfernstraßen und die Prioritätenliste der Region informierte Dr. Wolfgang Heine, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Standortpolitik. Zwölf Maßnahmen seien in den Bundesverkehrswegeplan 2030 mit aufgenommen worden, lediglich in drei Fällen (Bodenseekreis/Landkreis Ravensburg) werde aktuell gebaut. „Wir haben eine andere Situation als noch vor fünf Jahren“, so Heine. Lange habe es im Verkehrsetat zu wenig Geld gegeben, jetzt sei Geld genug da, aber es gebe zu wenige baureife Maßnahmen und Planungsreserven. Man habe versäumt, neue Verkehrsprojekte planerisch in Angriff zu nehmen. Der Planungsbeginn für den Molldiete-Tunnel in Ravensburg soll im zweiten Halbjahr 2019 erfolgen. Als Planungszeitraum werden rund zehn Jahre veranschlagt. „Wir sprechen bei den Straßenprojekten von Dekaden, nicht von Jahren.“ Für die Nordtrasse im Landkreis Sigmaringen sei Planungsbeginn nach 2025, für die Umfahrungen Enzisreute und Gaisbeuren im zweiten Halbjahr 2022, nannte Heine weitere Beispiele. „Wir werden uns weiter in Geduld üben müssen.“

Anne Schmieder zum Ehrenmitglied des Präsidiums ernannt
Dem Vorschlag von IHK-Präsident Martin Buck, die Unternehmerin Anne Schmieder für ihr langjähriges Engagement in der IHK-Vollversammlung, in der sie – zuletzt als Mitglied des Präsidiums – einen aktiven und wichtigen Beitrag geleistet habe, zum IHK-Ehrenmitglied des Präsidiums zu ernennen, erteilte die Vollversammlung einstimmig ihre Zustimmung.

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