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Mit dem Fahrrad fliegen 

FRIEDRICHSHAFEN/ WEISSENAU
„Mit dem Fahrrad fliegen – von Ort zu Ort, über die Landschaft hinweg, frei, unabhängig von Straßen und Verkehr.“ Diesen Wunsch hegte nicht nur Gustav Mesmer, sondern auch eine Projektgruppe der Weissenauer Werkstätten des ZfP Südwürttemberg. Im Rahmen einer arbeitsbegleitenden Maßnahme (ABM) bauten sie eigenen Flugobjekte, die als „Ausstellung in der Ausstellung“ im Friedrichshafener Zeppelin Museum zu sehen waren.

6 Wochen lang haben sie geplant, gebastelt, geschraubt und getüftelt: Birgit, Donato, Moritz und Andrea, eine Projektgruppe der Weissenauer Werkstätten des ZfP Südwürttemberg. Sichtlich stolz präsentierten sie ihr Flugobjekte im Foyer des Zeppelin Museums den begeisterten Besuchern. Ihre unglaubliche Detailarbeit und Kreativität führte dazu, dass die Objekte kaum von der eigentlichen Ausstellung zu unterscheiden waren.

Die Ausstellung „Mit dem Fahrrad fliegen“ widmete sich dem Leben des ehemaligen Klosterschülers und Flugradbauers Gustav Mesmer (1903-1994). 1929 erstmals in die Staatliche Heil- und Pflegeanstalt Schussenried aufgenommen, verbrachte Mesmer insgesamt circa 35 Jahre seines langen Lebens in Behandlung psychiatrischer Kliniken in Schussenried und Ravensburg-Weissenau. Annähernd seine gesamte Lebenspanne produzierte er Zeichnungen, Gemälde, baute und erfand Instrumente. Vor allem mit seinen Flugradmodellen jedoch wurde er noch zu Lebzeiten berühmt.

„Uns war es wichtig, mit der Ausstellung an heutige Themen anzuknüpfen, wie beispielsweise der Umgang mit psychischen Erkrankungen“, erklärte Kuratorin Sabine Mücke. Diese Anknüpfung erfolgte zum einen durch eine Kooperation mit dem Forschungsbereich Geschichte der Medizin am ZfP Südwürttemberg und dem Württembergischen Psychiatriemuseum, das einige Exponaten zur Verfügung stellte. Zum anderen kam das Projekt mit den Weissenauer Werkstätten zu Stande.

Mit Unterstützung von Arbeitstherapeutin Regina Liberatore hatte sich die Gruppe intensiv mit Gustav Mesmers Lebenswerk auseinandergesetzt und mehrfach die Ausstellung in Friedrichshafen besucht. Sie ließen sich von Gustav Mesmers Utopien und Vorstellungen vom Fliegen inspirieren. Mit viel Teamwork und tollen Ideen entstanden mehrere kleine und ein großes Kunstwerk. Letzteres besteht aus zwei zusammengeschweißten Fahrrädern, Blechteilen, Metallstangen, einem alten Reisekoffer und Holzflügeln. „Gustav Mesmer ist in Gedanken über die ganze Welt geflogen“, erzählt einer der Bastler. „Diese Idee haben wir aufgriffen und die Flügel mit einer Europakarte bespannt.“ An welche Orte man auf diese Weise gelangen könnte, war in einer begleitenden Fotoserie zu sehen. Dort war das Flugobjekt hoch über dem Weissenauer Kloster, auf dem Friedrichshafener Flugplatz und sogar über den Dächern Berlins zu sehen.

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