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„Lernwerkstatt“ bietet berufliche Perspektiven für Geflüchtete 


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AULENFORF
Handwerkliche Fertigkeiten üben, verschiedene Berufe kennenlernen, Bewerbungen vorbereiten, ein Praktikum machen – und natürlich: Deutsch lernen. In der Aulendorfer „Lernwerkstatt“ für Geflüchtete werden die Grundlagen gelegt für einen Einstieg in den Arbeitsmarkt. Beim Tag der offenen Tür kamen die Besucher ins Gespräch mit den Teilnehmern und machten sich ein eigenes Bild von der neuen Einrichtung – einer Kooperation von Stadt Aulendorf, dem Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau und weiteren Partnern.

„Am 1. Januar war hier noch gar nichts, und Mitte Februar kamen schon die ersten Teilnehmer ins Gebäude“, schilderte Bildungsmanagerin Monika Kordula vom Berufsbildungswerk (BBW) den Kraftakt, binnen kurzer Zeit dieses Projekt auf die Beine zu stellen. Aulendorfs Bürgermeister Matthias Burth würdigte beim Tag der offenen Tür insbesondere die Initiative des örtlichen Helferkreises Asyl, der mit der Idee einer „Lernwerkstatt“ auf die Gemeinde zugekommen war. Doch eines war klar: „Alleine als Stadt können wir so ein Projekt nicht stemmen.“ Und so stieß man auf der Suche nach einem Träger auf das Ravensburger BBW und habe dort, so Burth, „offene Türen und offene Ohren“ vorgefunden.

Als Geldgeber neben der Stadt wurden der Europäische Sozialfonds (ESF) und die Diözese Rottenburg-Stuttgart gewonnen. Und ein weiterer Partner, die Caritas, kümmert sich um das Integrationsmanagement. Ziel des im Landkreis einzigartigen Modellprojektes: „Die Beschäftigungsfähigkeit von geflüchteten Menschen zu verbessern, diese an den Arbeitsmarkt heranzuführen, aber ihnen auch eine Tagesstruktur zu geben“, so der Aulendorfer Rathauschef über die „Lernwerkstatt“, die er als „eine wichtige Säule unserer Integrationsarbeit“ bezeichnete.

Aktuell elf Teilnehmer, vermittelt vom Jobcenter des Landkreises, absolvieren die insgesamt sechsmonatige Qualifikation. Vier Monate davon in der „Lernwerkstatt“ und zwei Monate Praktikum in einem Betrieb. In der ersten Phase steht vormittags jeweils Deutschunterricht auf dem Stundenplan, nachmittags geht es an die Werkbank. Grundlagen in den Bereichen Farbe, Metall und Holz werden vermittelt und trainiert: „Sägen, Feilen, Schleifen, Polieren, Montieren und vieles mehr“, berichtet Achim Bernhard, der zusammen mit seiner Kollegin Ulrike Ahlfänger den Kurs leitet.

Seine Zwischenbilanz nach drei Monaten „Lernwerkstatt“: „Es funktioniert ganz toll. Die Menschen haben mehr Selbstbewusstsein bekommen. Dadurch gelingt es ihnen leichter, ihre Ressourcen abzurufen.“ Viele hätten handwerkliche Vorerfahrungen aus ihrer Heimat mitgebracht. Nun gelte es, diese in eine berufliche Richtung zu lenken und „aus Allroundern Spezialisten zu machen“.

Einer davon ist Husam Mudhi. 2015 kam der heute 25-jährige Syrer nach Deutschland, seit 2016 lebt er in Aulendorf, zunächst in Flüchtlingsunterkünften, inzwischen in der eigenen Wohnung. Wie es ihm in der Lernwerkstatt geht? „Alles macht mir Spaß“, sagt er in fließendem Deutsch. „Es ist wichtig für mich, etwas zu machen.“ Neben dem Unterricht hier büffelt er auch in seiner Freizeit Vokabeln und Grammatik. Das sogenannte B1-Sprachniveau hat er bereits erreicht, nun besucht er einen B2-Kurs. Wo er seine berufliche Zukunft sieht? „Ich bin mir noch nicht ganz sicher.“ Mehr Erkenntnisse soll er bald im Praktikum bekommen. Weitere fünf Teilnehmer sind gerade auf dem Sprung dorthin, einer hat sogar schon einen festen Job gefunden und arbeitet nun im Lagerbereich.

Auf dem Weg in den Arbeitsmarkt profitieren die Frauen und Männer auch vom Know-how des BBWs mit seinen über 50 Ausbildungsberufen. „Wir können hier zahlreiche Grundqualifizierungen anbieten, vom ‚Spülmaschinen-Führerschein‘ bis hin zum Gabelstaplerschein“, so Monika Kordula.

Beim Tag der offenen Tür präsentierten die Teilnehmer zunächst einmal aber stolz die Ergebnisse ihrer bisherigen Arbeit mit Holz, Farbe und Metall. Abwechslung in den „Lernwerkstatt“-Alltag brachte in den vergangenen Wochen ein kreatives Projekt in Zusammenarbeit mit dem Bad Waldseer Künstler Axel F. Otterbach. Unter seiner Ägide verarbeiteten die Geflüchteten Erinnerungen aus ihrer Heimat auf verschiedenste Weise in den einzelnen Exponaten: Fotos, Zeichnungen, arabische Sprichworte. „Und als verbindendes Element taucht überall die Friedenstaube auf“, erklärte Otterbach die Kunstwerke, die nun eine Wand der „Lernwerkstatt“ zieren.

 

 

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