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Herrmann über über fairen Tourismus 

WEINGARTEN
Verreisen ist beliebt wie nie. Jährlich besuchen allein über 3,5 Millionen Menschen die karibische Insel Kuba – mit Folgen: Wegwerfdosen, Plastikflaschen, Müll überall. Doch Kuba ist kein Einzelfall. Der Tourismus boomt – und damit häufen sich auch die Probleme für die Einheimischen touristisch beliebter Gebiete.

Insgesamt gab es 2015 rund 1,2 Milliarden Fernreisende, mit steigender Tendenz. „Der Tourismus trägt neben seinem Beitrag zum globalen  Bruttosozialprodukt zur Völkerverständigung bei, bringt auch Frauen in Jobs und sorgt für den Schutz von Naturreservaten“, sagte Referent Frank Herrmann, der an der Hochschule Ravensburg-Weingarten kürzlich über fairen Tourismus sprach. „Auf der anderen Seite verursachen Touristen riesige Probleme, angefangen bei Müll, Wasserknappheit, über die Missachtung von Menschenrechten bis hin zu bedenklichen Auswirkungen auf unser Klima durch den transport- und konsumbedingten Anstieg von Treibhausgasen.“

Heißt es für Touristen auf der einen Seite häufig „nur das Beste“ und „All Inclusive“ mit riesigen Poolanlagen und gut bewässerten Golfplätzen, bleiben die Einheimischen auf der anderen Seite auf der Strecke: Sie haben häufig täglich mit nur stundenweisem Zugang zu Frischwasser, schlechter Bezahlung oder prekären Arbeitsverhältnissen zu kämpfen, so Frank Herrmann, der für seinen Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe  „Nachhaltige Entwicklung“ an die Hochschule Ravensburg-Weingarten gekommen war.

Wegen Überfüllung geschlossen
Viele touristische Ziele sind an der Kapazitätsgrenze angelangt, Überfüllung zur Hauptsaison ist der Normalzustand. Einige Länder versuchen gegenzusteuern: So gibt es beispielsweise für die Galapagos-Inseln bereits Beschränkungen, wie viele Touristen jährlich die Insel besuchen dürfen und auch eine thailändische Insel ist schon komplett für den Tourismus gesperrt. „Ich glaube, dass wir bald noch weitere Reisebeschränkungen erleben werden“, wagte Frank Herrmann einen Blick in die Zukunft.

Als klimaschädlichste Fortbewegungsmittel gelten Kreuzfahrtschiff und Flugzeug. Ein durchschnittliches Kreuzfahrtschiff hat beispielsweise den gleichen Energieverbrauch wie eine deutsche Kleinstadt und fährt zudem mit Schweröl, das Luft und Gewässer stark belastet. Über die Wahl der Airline oder Reederei könne man jedoch schon bei der Buchung steuern, wie umweltfreundlich man als Reisender unterwegs sei, erläuterte Frank Herrmann. Denn regelmäßig werden Rankings über die Energieeffizienzklasse von Schiffen und Flugzeugen veröffentlicht, an denen man sich als Verbraucher orientieren könne.

Sondermüll wieder nach Hause mitnehmen
Herrmann stellte weitere Möglichkeiten vor, wie man selbst den Schaden begrenzen kann, den man als Tourist verursacht – und zwar vor, während und nach der Reise. Verschiedene Tourismus-Siegel (TourCert-Siegel) erfassen die Wertschöpfungskette einer Reise und helfen Urlaubern, ihren geplanten Ferienaufenthalt auf die Ökobilanz hin besser einzuschätzen. „Sympathiemagazine“ informieren zudem über viele Reiseländer und über Wege, regionale und faire Anbieter zu unterstützen. Doch zu einer umweltbewussten Reise gehöre auch, Sondermüll wie Batterien, Plastikverpackungen oder Sprays in Dosen, die man mitgebracht hat, wieder mit nach Hause zu nehmen. Denn im Ausland fehle es oft an Möglichkeiten, diesen Müll aufzubereiten. Auch auf Plastikflaschen und –becher kann man verzichten, die Klimaanlage maßvoll nutzen oder Handtücher im Hotel mehrmals verwenden.

Die CO2-Emissionen, die durch die eigene Reise entstehen, könne man ein Stück weit wieder gut machen durch Kompensationszahlungen an spezielle Organisationen, die faire und klimaschonende Projekte fördern. „Bei fairem Reisen geht es nicht um das eigene Gewissen, es geht nicht um Mitleid, sondern darum, die Verantwortung für unser Tun zu übernehmen“, sagte Frank Herrmann. „Ein bisschen weniger von allem als Grundregel würde jedem von uns gut tun.“

Die Vortragsreihe „Nachhaltige Entwicklung“, die für alle Interessierten geöffnet ist, wird im Wintersemester 2016/17 an der Hochschule Ravensburg-Weingarten fortgesetzt.

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