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Gemeinsam stark machen für die Stadtkirche“ 

Anlässlich ihres ersten Neujahrsempfangs hat die evangelische Gesamtkirchengemeinde Ravensburg erstmals das große Sanierungsvorhaben für ihre Stadtkirche präsentiert. Knapp 4,7 Millionen Euro werden Instandsetzung und Umbau der Kirche kosten – falls alle bisher geplanten Maßnahmen auch umgesetzt werden. Sollten hierfür die Zuschüsse der evangelischen Landeskirche und des Landesdenkmalamtes wie erhofft fließen, müsste die Gemeinde immer noch 750.000 Euro an weiteren Eigenmitteln aufbringen.

Der erste Festgottesdienst in der dann renovierten Kirche könnte am Reformationsfest 2017, also am 31. Oktober, gefeiert werden, hoffte Dekan Dr. Friedrich Langsam. Während der Bauarbeiten muss die Kirche für längere Zeit für die Besucher geschlossen werden. Noch ist nicht bekannt, wann die Sanierung starten wird, frühestens jedoch nach der Vesperkirche 2015, die vom 20. Januar bis 8. Februar dauert.

Mehr als 200 Gemeindeglieder und geladene Gäste waren der Einladung gefolgt, am 1. Sonntag nach Epiphanias direkt nach dem Gottesdienst bei Kaffee und Flachswickeln Informationen aus erster Hand zu bekommen. Nach den Präsentationen von Dekan Dr. Friedrich Langsam und Architekt Oliver Lutz war klar: aufschiebbar ist die Sanierung nicht mehr.

Ganz oben auf der Liste stehen Maßnahmen, die den Bestand des Gebäudes und die Sicherheit der Besucher betreffen. Schon jetzt drohen instabile Stücke des Mauerwerks herabzufallen, weshalb ein Eingang besonders geschützt wurde. 700 Quadratmeter Dach müssen neu gedeckt werden, weithin ist die Unterkonstruktion verfault. In vielen Wänden steckt Feuchtigkeit, wertvolle Kirchenfenster müssen geschützt werden, sie sind in ihrem Bestand bedroht. Auch komplett neue sanitäre und elektrische Anlagen sowie eine Modernisierung der Heizung sind wohl Pflichtaufgaben. Allein diese „bewahrende Restaurierung“ würde nach heutigem Kenntnis- und Planungsstand 2,2 Millionen Euro kosten.

Schon ganz zu Anfang der Planungen aber war deutlich erkennbar, dass viele Gemeindeglieder, Kirchengemeinderäte und Pfarrer mehr wollen, als nur die Bewahrung des jetzigen Zustands. „Es geht darüber hinaus darum, die Kirche den veränderten Bedingungen anzupassen und sie für die nächsten Generationen funktionsfähig zu erhalten“, betonte Dekan Langsam. Im Mai vergangenen Jahres konnten die Gemeindeglieder bei einem sehr gut besuchten „Kirchenbauer-Workshop“ ihre Erwartungen an eine Kirche für die nächsten Generationen äußern. Vieles davon ist nun in die Planung und die Konzeption eingeflossen.

Besonders oft wurde der Wunsch geäußert, eine wirklich barrierefreie Kirche zu bekommen. Das erfordert gerade bei der Ravensburger Stadtkirche umfangreiche Maßnahmen. Der Fußboden der Kirche liegt beispielsweise beinahe drei Meter tiefer als das Niveau des angrenzenden Marienplatzes, von dem aus zwei Zugänge in die Kirche führen. Beim dritten Zugang wiederum geht es mehrere Stufen hinauf. Innerhalb der Kirche ist der Chor wegen der Treppen, die zu ihm hinaufführen, für Menschen mit Gehwagen oder Rollstuhl unerreichbar. Auch sollen künftig kleinere Räume geschaffen werden für Gruppen, die zwar in der Kirche sein wollen, aber nicht gleich das riesige Kirchenschiff nutzen wollen oder können. Ein kleiner Innenhof, den viele Konzert-Besucher vom Schlangestehen an der Abendkasse kennen, soll überdacht und zu einem Raum umgebaut werden. An die demnächst wieder beginnende Vesperkirche haben die „Kirchenbauer“ gedacht, an die Anforderungen der Kirchenmusik, an die Nöte der Besucher angesichts von derzeit zwei kleinen Uralt-Klos, an die Mesnerin auf ihrem unbequemen Stühlchen, an Menschen, die einfach Stille und Andacht suchen.

Bereits im Februar, so kündigte Dekan Dr. Langsam an, wird es ein entscheidendes Gespräch beim Oberkirchenrat in Stuttgart geben. Dann wird sich herausstellen, ob all das, was die Ravensburger Kirchenbauer für wünschenswert und sinnvoll halten, auch machbar sein wird. Selbstverständlich wird es auch ums Geld gehen, also auch darum, wieviel die Kirchengemeinde aus Eigenmitteln und Spenden aufzubringen hat. An den Eingängen der Kirche standen schon mal die drei lebensgroßen Figuren, die der Spendenkampagne ihr Gesicht geben. Jede hielt eine Spendendose in der stilisierten Hand und die Besucher des Neujahrsempfangs hatten das Signal wohl verstanden.

Dekan Dr. Friedrich Langsam gab dem Vorhaben historisches Gewicht. Es sei die Aufgabe dieser Generation, die Kirche für die nächsten Generationen zu rüsten. Jede vorherige Generation, die sich an die Sanierung gemacht habe seit dem Bau der Kirche vor 670 Jahren, habe einen „Kraftakt“ vollbracht. Das Gebäude, dieses „Ravensburger Urgestein“, sei für die ganze Stadt bedeutend. Dekan Langsam griff den Leitspruch der Kampagne auf, mit der für die Sanierung Spenden gesammelt werden sollen und forderte die Besucher und alle Ravensburger auf, sich „gemeinsam stark zu machen für die Stadtkirche“.

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