Ihre Nachrichten und Infos aus Ravensburg und der Region|Donnerstag, Dezember 12, 2019
Sie befinden sich: Home » Aktuelles » Fachkräftemangel ist Risikofaktor Nummer Eins

Fachkräftemangel ist Risikofaktor Nummer Eins 

WEINGARTEN
Die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage sind auch weiterhin überdurchschnittlich positiv: 61 Prozent der regionalen Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“. Ein knappes Drittel der Unternehmen sieht sich zumindest in einer „befriedigenden“ Geschäftslage. Nur sieben Prozent beurteilen ihre Geschäftslage als „schlecht“. Gut neun von zehn Unternehmen (93 Prozent) sind positiv gestimmt. „Unsere Wirtschaft ist robust. Der Aufschwung hält an. Aber es gibt auch Störfeuer und zunehmend Gegenwind. Risikofaktoren wie der akute Fachkräftemangel machen uns in der Region zu schaffen“, so Martin Buck, Präsident der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben.

Obwohl auch außenwirtschaftliche Risiken, wie Protektionismus-Bestrebungen und Handelskonflikte zunehmen, sehen die regionalen Unternehmen im Fachkräftemangel weiterhin das Hauptrisiko für ihre Geschäftsentwicklung. Laut IHK-Umfrage haben aktuell über 60 Prozent der Unternehmen Probleme bei der Stellenbesetzung. Bei einer regionalen Arbeitslosenquote von derzeit 2,5 Prozent ist das die Kehrseite der Medaille. Gesucht sind vor allem Menschen mit dualer Ausbildung oder Fachwirte und Meister. Erst an dritter Stelle kommen die Akademiker. Die Unternehmen wollen auf diesen Mangel verstärkt mit Aus- und Weiterbildung reagieren. Aber auch das gelingt kaum noch im gewollten Umfang: Über 500 Ausbildungsplätze konnten in der Region in 2018 nicht besetzt werden.

Auch die IHK verzeichnet zum Ausbildungsstart im September ein Minus an neu eingetragenen Ausbildungsverträgen. Die regionalen Arbeitgeber versuchen, sich gegen diesen Trend zu stemmen: Sie arbeiten an ihrem Image und wollen mehr in ihre Eigenvermarktung investieren oder auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärken. Gut jedes dritte Unternehmen hofft auf Fachkräfte aus dem Ausland, jedes fünfte bemüht sich um die Einstellung Geflüchteter. Gut jedes zehnte Unternehmen gibt allerdings auch an, dass wegen des Fachkräftemangels Tätigkeiten ins Ausland verlagert werden sollen oder die Produktion beziehungsweise der Service eingeschränkt oder zumindest nicht ausgeweitet werden.

Damit Deutschland seinen Wirtschaftsstandort stärken kann, müsse die Bundesregierung an zukunftsentscheidenden Themen wie Digitalisierung und Fachkräftesicherung mit mehr Nachdruck arbeiten, so die Forderung der IHK. „Das neue Eckpunktepapier der Bundesregierung zur Fachkräfteeinwanderung geht in die richtige Richtung. Klare und übersichtliche Regeln zur Einwanderung von qualifizierten Arbeitskräften aus Drittstaaten sind für die Unternehmen in Deutschland in Zeiten des Fachkräftemangels wichtig“, so Buck. Knapp 30 Prozent der regionalen Betriebe gaben bei der IHK-Umfrage an, dass die Vereinfachung des administrativen Aufwandes eine große Hilfe bei der Einstellung von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern wäre.

Die IHK-Konjunkturumfrage zeigt, dass die Umsätze der Unternehmen in den vergangenen vier Monaten bereits leicht nachgegeben haben, allerdings noch auf sehr hohem Niveau. Nicht mehr ganz so lebhaft beurteilen die Betriebe hingegen ihren Auftragseingang. Bei der Beurteilung der künftigen Geschäftslage ist die Euphorie zwar verflogen, dennoch rechnen gut neun von zehn Unternehmen damit, dass sich die Geschäfte mindestens weiter wie bisher entwickeln werden. Auch der Investitionsschub der vergangenen Monate setzt sich mit gemäßigtem Tempo fort: Jedes vierte Unternehmen in der Region plant, in den nächsten Monaten mehr zu investieren als zuvor und jedes zweite behält sein bisheriges Investitionsvolumen bei. Hauptmotive bleiben der Ersatzbedarf, die Rationalisierung und Kapazitätserweiterungen. „Die IHK geht davon aus, dass die regionale Wirtschaft weiter wachsen wird, aber nicht mehr so dynamisch wie zuletzt“, so der IHK-Präsident. Damit die notwendigen Investitionen der regionalen Unternehmen in Anlagen, Maschinen und die Wirtschaft 4.0 gelingen kann, ist auch die Politik gefordert. „Eine wichtige Stellschraube für mehr Investitionen ist die Steuerbelastung. Während andere Länder in der EU, aber vor allem die USA und China, hier vorgelegt haben, ist die letzte Unternehmenssteuerreform in Deutschland schon zehn Jahre her. Die Steuerbelastungen und insbesondere die Steuerbürokratie müssen schnellstmöglich auf ein angemessenes Maß zurückgefahren werden“, mahnt der IHK-Präsident längst überfälliges politisches Handeln an.

Print Friendly, PDF & Email