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Engagement mit lebenslangem Nachklang 


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WEINGARTEN
Das Konzept ist einfach, und wahrscheinlich auch deshalb so stark: Seit mittlerweile 15 Jahren übernehmen Bürgerinnen und Bürger Patenschaften für ausländische Studierende an der Hochschule Ravensburg-Weingarten. Anlässlich dieses Geburtstages des Brother and Sister Programms waren nun alle aktiven und ehemaligen Patinnen und Paten gemeinsam mit ihrer Studentinnen und Studenten auf den Campus in Weingarten eingeladen.

Bereits bei der Begrüßung der 120 Gäste brachten der erste Bürgermeister der Stadt Ravensburg Simon Blümcke sowie Professor Dr. Michale Pfeffer ihre Wertschätzung für das ehrenamtliche, völkerverbindende Engagement der Patinnen und Paten zum Ausdruck. „In Anlehnung an die Welle in unserem Hochschul-Logo“, so der Prorektor für Forschung, Internationales und Transfer, „kann man sagen, dass Ihr Engagement mehr ist als eine kurzfristige Unterstützung. Es wird einen lebenslangen Nachklang haben.“

2003 war das Programm von Christine Lauer, der damaligen Leiterin des International Office an der Hochschule in Weingarten, ins Leben gerufen worden. Die Zahl der Patinnen und Paten wuchs mit den Jahren. Und so bedankten sich die Verantwortlichen an diesem Abend bei mittlerweile 170 Pateneltern. Im Jahr 2007 war die Freiwilligenagentur der Stadt Ravensburg in das Projekt mit eingestiegen. Seither übernimmt Erna Grawe ehrenamtlich die Koordination auf Seiten der Patinnen und Paten. „Mich begeistert immer wieder, was sich in den vergangenen Jahren zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen für Patenschaften und Freundschaften entwickelt haben. Und immer wieder gibt es auch ganz besondere Erlebnisse“, sagt die Ravensburgerin, die im Jahr 2014 stellvertretend für das gesamte Projekt den Ehrenamtspreis des Landes Baden-Württemberg entgegennahm.

Eines dieser besonderen Erlebnisse ist zum Beispiel die Indienreise von Beate Müller. Seit sechs Jahren ist sie Patin und hat seither Studierende aus Moldavien, Polen oder Thailand begleitet. Von ihrem ehemaligen Paten-Studenten aus Indien, der in Weingarten im Masterstudiengang Informatik eingeschrieben war, wurde sie zu dessen Hochzeit nach Indien eingeladen. „Fünf Tage wurde mit 1.000 Gästen gefeiert“, berichtet Beate Müller begeistert von dieser Reise. „Ich habe bei der Familie gewohnt und wurde dort bestens umsorgt.“ Und ihr ist nach dieser Erfahrung auch klar geworden, „wie fremd unser europäisches Leben für jemanden sein muss, der von soweit hierher nach Süddeutschland kommt.“

Wie sie ihre gemeinsame Zeit ganz praktisch gestalten, dabei haben die Patinnen und Paten freie Hand. „Unsere Studenten kommen alle zwei Monate zu uns zum Essen“, berichtet zum Beispiel Tina Kiechle, die sich aktuell um zwei Elektrotechnik-Studenten aus Südindien kümmert. Klar ist jedenfalls, es geht nicht um finanzielle Förderung. Stattdessen werden etwa Fahrgemeinschaften zur Arbeit während des Praxissemesters gegründet, oder man hilft bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, nach einer Wohnung oder beim Umzug. Dieses Miteinander wird von den Patinnen und Paten nicht nur als ein Helfen sondern durchweg als eine Bereicherung beschrieben. So sei es auch für die eigenen Kinder immer wieder spannend gewesen, wenn die Gäste aus den mehr oder weniger fernen Ländern für eine Zeit am Familienleben teilnehmen.

Zweimal im Jahr laden die Projektkoordinatoren alle Pateneltern mit ihren Studierenden zu Aktivitäten ein. Ein Höhepunkt für alle Beteiligten ist in jedem Jahr der gemeinsame Sommerausflug. Ein weiterer Termin ist die traditionelle Weihnachtsfeier.

Ramona Herrmann, die als Mitarbeiterin des International Office an der Hochschule für das Programm verantwortlich ist, führt an dem Abend in der Mensa durch das Programm. Sie betont schließlich auch die Perspektive der Eltern der ausländischen Studentinnen und Studenten. „Für sie ist es sehr beruhigend zu wissen, dass ihre Kinder im fernen Deutschland gewissermaßen Familienanschluss haben. Dass sie hier jemanden haben, zu dem sie mit Fragen und Problemen gehen können, und der ihnen beim Einstieg in eine fremde Kultur helfen kann.“

Den Abschluss des Brother and Sister-Abends nach dem gemeinsamen Essen in der Mensa machten Studierende aus Indien und Nepal, die mit Musik- und Tanzeinlagen einen Beitrag aus ihrer Kultur nach Weingarten brachten. Inbrünstig wurden Bollywood-Songs zur Gitarre vorgetragen. Die anwesenden Inderinnen und Inder im Publikum stimmten ein. Der Refrain des Songs aus Nepal, so konnte man erfahren, lautete: „Ich bin weit weg von meiner Heimat, aber mein Herz bleibt in meiner Heimat“. Dass dieser Umstand nicht mit zu großem Heimweh verbunden ist, auch dazu leisten die Brothers and Sisters aus Ravensburg-Weingarten sicherlich einen nicht zu unterschätzenden Beitrag.

Wer Interesse hat am Brothers and Sisters Programm kann sich an die Freiwilligenagentur der Stadt Ravensburg oder an das International Office der Hochschule Ravensburg-Weingarten wenden.

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