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CDU-Sozialpolitiker informieren sich über Quartiersprojekte 

Um sich fachlich über aktuelle Herausforderungen in der Altenhilfe auszutauschen, besuchten CDU-Sozialpolitiker den Rahlentreff in der Ravensburger Weststadt. Bei einem Rundgang wurde das hohe Potenzial von Quartiersansätzen für die Zukunft der Altenhilfe spürbar.

Gemeinsam mit den Mitgliedern des Ausschusses Soziale Dienste des Aufsichtsrates der Stiftung Liebenau Prof. Dr. Bruno Schmid, Dekan Sigmund Schänzle und Paul Locherer MdL empfingen Dr. Berthold Broll, Vorstand Stiftung Liebenau und Gerhard Schiele, Geschäftsführer Altenhilfe, die Gäste aus Stuttgart. Die Delegation der Mitglieder des Arbeitskreises Enquetekommission „Pflege“ der CDU-Landtagsfraktion um Thaddäus Kunzmann MdL, Helmut W. Rüeck MdL, Jutta Schiller MdL und dem externen Mitglied der Enquetekommission der CDU-Landtagsfraktion, Landrat Thomas Reumann, Vorstandsvorsitzender der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) e. V., wurde vom Ravensburger Landtagsabgeordneten Rudolf Köberle MdL begleitet.

Bei der Einführung erläuterte Dr. Berthold Broll, dass bereits kurz nach dem Einstieg der Stiftung Liebenau in die Altenhilfe Anfang der 1990er Jahre die fachlichen Grundüberlegungen für innovative Wohn- und Betreuungsformen starteten. Auch 20 Jahre nach Inbetriebnahme der ersten Wohnanlage nach dem Konzept „Lebensräume für Jung und Alt“ in der Gemeinde Vogt seien die damaligen Überlegungen aktueller denn je, so Gerhard Schiele. Durch Stärkung von Prävention und Selbsthilfe sowie das Zusammenleben von Jung und Alt würde dem größten Risiko für Pflegebedürftigkeit aktiv entgegengewirkt: der Einsamkeit des Einzelnen im Alter.

Über die professionelle Gemeinwesenarbeit in den Lebensräumen würden zudem Brücken in die umgebenden Wohnquartiere gebaut und hierdurch das soziale und gesellschaftliche Miteinander durch vielerlei Angebote vor Ort gefördert, so Schiele.

Stärkung der Kommunen – Finanzierung von Netzwerkarbeit
Dass die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kommunen ein wesentlicher Baustein des Erfolgs derartiger Quartiersprojekt ist, wusste Paul Locherer zu berichten. Als ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Amtzell begleitete er den ganzen Prozess von der Planung über die Entstehung bis hin zur Etablierung der Lebensräume in seiner Heimatgemeinde. Hierdurch erhielten Kommunen wieder ein Instrument zur Mitgestaltung der sozialen Infrastruktur vor Ort. Zudem zeige sich, dass entsprechende soziale Angebote ein deutlicher Wettbewerbsvorteil für Kommunen seien, so Locherer.

Mit Einführung der Pflegeversicherung Mitte der 1990er Jahre hätten die Kommunen in der Altenhilfe Mitgestaltungsmöglichkeiten verloren, so die einhellige Auffassung der Gesprächsrunde. Daher bedürfe es einer Rückbesinnung und Stärkung der Rolle von Städten und Gemeinden in diesem zentralen Handlungsfeld der Sozialpolitik.

Der hierbei wichtige Netzwerkgedanke durch die Gemeinwesenarbeit in Quartiersprojekten sei jedoch nach wie vor nicht regelfinanziert, obwohl deren hohe Wirksamkeit durch zahlreiche Studien renommierter Forschungsinstitute wie u. a. dem ZEW Mannheim und dem CSI Heidelberg belegt sei, so Dr. Berthold Broll. Sowohl hierauf als auch auf die Stärkung von Städten und Gemeinden weise die Stiftung Liebenau über die Arbeit im Netzwerk: Soziales neu gestalten (SONG) seit längerem hin, wie Ulrich Kuhn, Geschäftsführer des SONG-Netzwerks erläuterte.

Weiterer Austausch vereinbart
Wichtige Themen einer nachhaltigen Weiterentwicklung der Altenhilfe seien zudem der absehbare und in der Praxis bereits heute deutlich spürbare Fachkräftemangel sowie die überbordende Bürokratiebelastung für Pflegedienste und -einrichtungen, wie die Gesprächsrunde einhellig feststellte. Die CDU-Sozialpolitiker sind Mitglieder der jüngst gebildeten Enquetekommission Pflege des baden-württembergischen Landtags. „Über dieses wichtige, überparteiliche Forum bietet sich die hervorragende Möglichkeit, diese Fragestellungen im engen Austausch mit der Praxis vertieft zu behandeln“, so Thaddäus Kunzmann, Obmann des Arbeitskreises Enquetekommission „Pflege“ und Helmut W. Rüeck, Vorsitzender der Enquetekommission. Ein weiterer Austausch hierüber wurde abschließend vereinbart.

 

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