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Ravensburg

Bewegungsprojekt „fit & clever“ erfolgreich abgeschlossen

Phillipp Schwarz von der KiSS Kindersportschule Weingarten mit einer motivierten 1. Klasse der Grundschule Neuwiesen in einer "Expertenstunde" auf dem Schulhof. Bild: Bürgerstifung Landkreis Ravensburg

Als Sieger des von der Bürgerstiftung Kreis Ravensburg ausgelobten Wettbewerbes “fit und clever – durch Bewegung” erhielt die Grundschule Neuwiesen ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Ziel war es, über ein Schuljahr hinweg die Konzentration, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit der SchülerInnen mit einem selbsterarbeiteten Bewegungsprogramm nachweislich zu verbessern.

Die wissenschaftliche Begleitung des Programms erfolgte durch Professor Stefan König und Elke Weyermann der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Die drei Projektpartner, Neuwiesen-Grundschule, Pädagogische Hochschule Weingarten und Bürgerstiftung Kreis Ravensburg, ziehen trotz frühzeitigem Projektende eine positive Bilanz und erhalten wichtige Erkenntnisse aus den erhobenen Daten zum positiven Einfluss von Bewegung auf die ganzheitliche Entwicklung von Kindern.

Für die notwendige Bewegung außerhalb des Sportunterrichts bleibt im Schulalltag oft nicht genügend Zeit. Dabei ist der positive Effekt von regelmäßiger Bewegung auf die persönliche Entwicklung, das Selbstbewusstsein und die Lernleistung wissenschaftlich erwiesen. Durch die Corona-Pandemie sind Sportunterricht und sonstige Bewegungsangebote als wichtiger Ausgleich fast gänzlich weggebrochen. Für die Grundschule Neuwiesen war es deshalb von besonderer Bedeutung, dass das angedachte Jahresprojekt „fit & clever – durch Bewegung“ zumindest für ein halbes Schuljahr bis zur ersten Schulschließung umgesetzt wurde und nachhaltig in die lange Zeit des Distanzunterrichts hineinwirken konnte.
Wenn das Klassenzimmer zur Bewegungsfläche wird

Mit dem Startschuss für „fit & clever“ kam Bewegung in die Köpfe und Körper der Neuwiesen-Schulkinder. Das in allen schulischen Gremien für positiv betrachtete Konzept, entwickelt vom Leitungsteam und den Sportkolleginnen, hat durch die praktische Umsetzung im Schulalltag vor Corona dazu beigetragen, dass sich die SchülerInnen etwa 60 Minuten mehr pro Woche bewegten und körperliche Aktivität sich nicht mehr nur auf die Sportstunden beschränkte.

Teil des Bewegungsprogramms waren wöchentlichen Expertenbesuche, für die die Klassenlehrerinnen einmal pro Woche 20 Minuten ihres Unterrichts zur Verfügung stellten. Im rollierenden System bekamen alle Klassen Bewegungsimpulse von Tanzlehrerin Katja Breidenstein der Tanzschule Geiger, von Phillipp Schwarz der KiSS Kindersportschule Weingarten sowie von Bewegungscoach und Gedächtnistrainer Markus Wachter. Für alle Experten steht außer Frage, dass Bewegung und Lernerfolg in unmittelbarem Zusammenhang stehen.

Auch Schulleiterin Christina Herzer ist überzeugt von dem Bewegungsprogramm und der nachhaltigen Integration in den Schulalltag. Es sei wichtig gewesen, alle in dem Prozess mitzunehmen, so wurden die Aktivitäten in den Lehrerkonferenzen ausführlich besprochen. Alle sollen ein Bewusstsein für die Bedeutung regelmäßiger körperlicher Betätigung entwickeln und den positiven Zusammenhang mit einer besseren Lernleistung verinnerlichen. Sie verrät außerdem, dass sogar das Lehrerzimmer für „fit & clever“ umgeräumt wurde, da sonst die vielen Sportmaterialien, wie Jonglage-Bälle, Yoga-Matten, Therabänder und Koordinationsleitern, keinen Platz gefunden hätten.

Indem Know-how von Experten eingeholt und gleichzeitig im Kollegium und den Klassen selbst aufgebaut wurde, sollen die Kompetenzen in den nächsten Schuljahren weitergereicht werden. Es lernen alle, Kinder und Kollegium

Studienergebnisse belegen positiven Einfluss von Bewegung

Der Erfolg des Projektes äußert sich nicht nur in der postiven Wahrnehmung der Kinder, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitung, sondern konnte in einer Begleitstudie des Fachs Sportwissenschaft der Pädagogischen Hochschule Weingarten bestätigt werden. Das Team um Professor Stefan König hat umfangreiche sportmotorische und kognitive Testungen durchgeführt, um den Einfluss des Bewegungsprogramms zu messen. An drei Messzeitpunkten hat das Test-Team mit Unterstützung zahlreicher Eltern den standardisierten Kinderturntest mit allen Schülerinnen und Schülern durchgeführt. Die Tests zur Gedächtnisleistung wurden von den Klassenlehrerinnen angeleitet und beinhalteten spielerische Aufgaben wie z. B. das Suchen von Tankstellen auf einer Landkarte oder die Wiedergabe von Zahlenfolgen in umgekehrter Reihenfolge.

Die wissenschaftlichen Auswertungen zeigen, dass „fit und clever“ einen positiven Einfluss auf die allgemeine Fitness der Kinder hatte, vor allem im Ausdauerbereich. Desweiteren konnte durch die erhobenen Daten belegt werden, dass Kinder mit einem höheren Ausdauerniveau bei den Gedächtnistests besser abschneiden. Außerdem sei davon auszugehen, dass das

Bewegungsprogramm zur Steigerung der Aufmerksamkeitsleistung der SchülerInnen beigetragen hat. Darüber hinaus wurden zahlreiche Interviews mit Eltern, Kindern und Lehrkräften geführt. Alle Befragten konnten vielfältige positive Aspekte wahrnehmen, wie z. B. eine gesteigerte Motivation oder ein gestärktes Selbstbewusststein.

Gelungene Kooperation

Das sportwissenschaftliche Team der Pädagogischen Hochschule Weingarten zeigt sich mit der Auswertung der erhobenen Daten zufrieden, obwohl nicht alle Messzeitpunkte umgesetzt werden konnten. Aus Sicht von Testleiterin Elke Weyermann zeichnet sich das Projekt besonders dadurch aus, dass es sowohl die körperliche Leistungsfähigkeit als auch die Aufmerksamkeit und Konzentration umfassend betrachtet. Für sie ist es wichtig zu betonen, dass es bislang kaum Projekte gebe, die langfristig Daten zu beiden Komponenten erhoben und in Zusammenhang gebracht hätten.

„Die erfolgreiche Zusammenarbeit und das Engagement von Schulleitung, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, Eltern, Studierenden, dem Team der Bürgerstiftung und der Pädagogischen Hochschule begeistert mich besonders am Projekt“, so Sportwissenschaftlerin Weyermann.

Rebecca Rignault, Konrektorin und damalige Klassenlehrerin einer zweiten Klasse, zieht nach über einem Jahr Corona-Ausnahmezustand, dem vielen Hin und Her aus Homeschooling und Wechselunterricht das Fazit: „Wir haben so großes Glück gehabt, dass wir vor der Pandemie mit „fit & clever“ angefangen haben, so war Sport und Bewegung bei allen immer präsent.“

Das Schulprojekt „fit und clever” ist für alle Beteiligten eine Bereicherung und die Studienergebnisse verdeutlichen den hohen Stellenwert von Bewegung im (Schul-) Alltag und für die Entwicklung jeden Kindes.

Weitere Informationen zum Projekt „fit & clever“ finden Sie unter www.bskrv.de und www.gs-neuwiesen.de