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Ausstellung: Gelitten haben sie alle 

Nachdenklich macht eine Ausstellung, die derzeit im Spital in Ravensburg gezeigt wird: „Nous étions tous des enfants – wir waren alle Kinder“ ist als französich-deutsches Projekt entstanden und zeigt Bilder von Kindern, die während des zweiten Weltkrieges aufgenommen wurden. Es sind Bilder aus Familienalben. Ihnen zur Seite gestellt werden die Erinnerungen, wie sie die heute 60- bis 70-Jährigen schildern. Und es zeigt sich: Gelitten haben sie alle, hüben wie drüben.

„Wer hätte vor 70 Jahren bei Kriegsende geglaubt, dass wir einmal gemeinsam feiern würden?“ So fragte Claudia Maas-Holzhause, Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins „Die Brückenbauer“, bei der Eröffnung der Ausstellung im Spital. Zum 50-jährigen Bestehen der Freundschaft zwischen Ravensburg und Montélimar in Südfrankreich hat der Arbeitskreis Montélimar diese Ausstellung nach Ravensburg geholt. Maßgeblich engagiert hat sich Roland Frey, der von der Fotografin Janine Gatheron angeschrieben und um Mitarbeit gebeten worden war.

Hübsche Motive, wie man sie aus Familienalben der damaligen Zeit kennt. Herausgeputzte Kinder, drapiert vor dem Kinderwagen, dem neuen Auto, dem Zaun am Gemüsegarten. Frech heraufblickend die Kleinsten aus dem Laufstall, aber auch skeptisch blickend die Älteren. Die Nationalität lässt sich kaum erkennen, wenn nicht gerade der Vater in Uniform mit auf dem Foto zu sehen ist. Ob diese Bilder als Zeugnisse der Zeit taugen, fragte Laudator Christoph Stehle, der in einem lebendigen Vortrag die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen vergegenwärtigte. Ihre wirkung entfalten sie vor dem Hiintergund. Die Fotografin Gatheron hat Motive von zerstörten Städten und andere Kriegsszenen gewählt, vor denen sie die Kinderbilder anordnet. Einem überdimensionalen Windspiel gleicht der Blätterwald, an dem die aufgeschriebenen Erzählungen der einstigen Kinder aufgehängt sind.

Roland Frey warnte eindringlich, die Bilder zu verharmlosen. Für ihn lassen sie „erahnen, was moderne Kriegsführung in zynischer Sprache als Kollateralschäden zur Kenntnis nimmt“.

Knapp 80 Gäste kamen zur Ausstellungseröffnung, die vom Streichquartett Heinz Hübner musikalisch umrahmt wurde. Neben Bartók intonierte das Quartett auch die Hymne des Vichy-Regimes und das Lied der Deutschen Arbeitsfront und machte die Gäste im Spitalfoyer mit der Kriegszeit und dem Gefühl der Soldaten auf beiden Seiten vertraut.

Die sehenswerte Ausstellung im Spital wird noch bis einschließlich Montag, 29. Juni, gezeigt.

i Ravensburg ist den Städten Montélimar in Frankreich, Rivoli in Italien, Varaždin in Kroatien, Rhondda Cynon Taff in Wales und Coswig in Sachsen partnerschaftlich verbunden. Über den Gemeindeverband mittleres Schussental besteht darüber hinaus eine Partnerschaft mit Brest in Weißrussland.

((Bildtexte))

Roland Frey vom Arbeitskreis Montélimar bei den Brückenbauern hat die Ausstellung nach Ravensburg geholt.

Im Blätterwald finden sich die aufgeschriebenen Erinnerungen der einstigen Kriegskinder.

Fotos: Heike Engelhardt

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