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4.000 Jahre Pfahlbauten rund um die Alpen 

WEINGARTEN
Die Pfahlbauten rund um die Alpen gehören zu den spannendsten archäologischen Hinterlassenschaften in Europa und werden momentan in der umfassenden Ausstellung „4000 Jahre Pfahlbauten“ in Bad Schussenried und Bad Buchau präsentiert. Unter Luftabschluss haben sich in den Mooren und Seen spektakuläre Holzobjekte und Alltagsgegenstände aus der Zeit zwischen 5.000 und 800 v. Chr. erhalten. In seinem Vortrag im Forum Regionalität an der Pädagogischen Hochschule Weingarten berichtet Fabian Haack, Wissenschaftlicher Referent des Archäologischen Landesmuseums, am Mittwoch, 20. Juli, über die Geschichte der Pfahlbauten und das Leben seiner Bewohner.

Seit 2011 gehören die prähistorischen Pfahlbauten zum UNESCO Weltkulturerbe. Unter Schutz gestellt sind allerdings nicht die Museen, die die Funde ausstellen, sondern die Siedlungen selbst. Diese liegen jedoch innerhalb der Seen und Moore und sind deshalb für Besucher nur schwer zugänglich. Dabei lassen sich gerade anhand der Seeufersiedlungen der Alltag und die Vorstellungswelt der damaligen Menschen besonders gut aufzeigen.

Beispielhaft dafür stehen die älteste Wandmalerei nördlich der Alpen aus Ludwigshafen am Bodensee und die ersten Holzräder aus dem Laibacher Moor und dem Olzreuter Ried nahe Bad Schussenried, die alle in der Ausstellung zu sehen sind.

Die sieben Frauenfiguren der Kultwand lassen sich als mythische Ahnenfiguren mit individuellen Zügen deuten, die durch Stammbäume voneinander getrennt sind. Hier sind offenbar verschiedene Abstammungsgruppen dargestellt, die die zentrale soziale Einheit der Pfahlbaugruppen gewesen sind. Diese Familienverbände ermöglichten die sehr mobile Lebensweise der Menschen aus den Seeufersiedlungen. Die Dörfer wurden häufig schon nach zehn Jahren wieder aufgegeben und die einzelnen Verbände schlossen sich zu neuen Siedlungsgemeinschaften zusammen.

Die am Ende des 4. Jahrhunderts aufkommenden Scheibenräder ermöglichten eine Weiterentwicklung der sogenannten Schleifen zu einfachen Wagen. Die sich damit verändernden Transportmöglichkeiten lassen sich gut an der parallel verlaufenden Entstehung der Straßendörfer ablesen: Schwere und sperrige Lasten wie Bauholz oder Laub für die Fütterung des Viehs konnten jetzt direkt bis vor die Häuser der Dörfer gefahren werden. Der Vortrag beginnt um 18 Uhr im Festsaal der PH Weingarten. Der Eintritt ist frei. Interessierte Gäste sind herzlich willkommen.

 

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