Ihre Nachrichten und Infos aus Ravensburg und der Region|Dienstag, September 17, 2019
Sie befinden sich: Home » Regionales » Zurück in den Pflegeberuf

Zurück in den Pflegeberuf 

WEINGARTEN
„Jeder hat seine Aufgabe und meine fängt jetzt an.“ Meike H. 30 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Kinder, sitzt zusammen mit Ingrid M. im Besprechungszimmer der Gesundheitsakademie Bodensee-Oberschwaben. Gerade ist ihr Unterricht zu Ende und bevor sie nach Hause zu ihren Familien gehen, wollen sie von ihren neuen Eindrücken berichten. Ein Leben mit Veränderungen, Freude, Anerkennung und Selbstbewusstsein, aber auch mit neuen Herausforderungen.

Die beiden Frauen nehmen das Angebot wahr: Unterstützung für den Wiedereinstieg in den Beruf. Sie sind stolz darauf. Selbstverständlich ist das nicht immer. Nach über 35 Jahren Familie und Kindererziehung den Schritt zurück ins Berufsleben zu wagen, wie im Falle der 59-jährigen Ingrid M. Die Angst, zu alt zu sein oder es nicht mehr zu schaffen, war riesig. Angst vor allem, vor dem klinischen Alltag und der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Doch der Wunsch nach einer neuen Aufgabe und Selbsterfüllung überwog. „Ich würde es jederzeit wieder machen, denn vieles würde einem entgehen“, sagt die gelernte Krankenschwester und schmunzelt verlegen.

Über den Wiedereinstiegskurs für Pflegefachkräfte hat sie in der Zeitung gelesen und mit der Anmeldung nicht lange gewartet. „Ich weiß noch, was ich an diesem Tag dachte: Super, das könnte ich mit meinem Mann und meinen vier Kinder vereinbaren“, erinnert sich Ingrid M. „Mein Mann war zuerst skeptisch und stellte sich nach so langer Zeit die Rückkehr für mich schwer vor. Doch heute ist er stolz auf mich und unterstützt mich. Meine Kinder hingegen können es nicht verstehen, dass ich freiwillig die Schulbank drücke“, erzählt sie lachend.

Ein bisschen anders verlief es bei ihrer Mitschülerin Meike H. Die junge Frau wurde während ihrer Ausbildung schwanger und absolvierte ihr Examen zur Gesundheits- und Krankenpflegerin mit Babybauch. Für sie ist es jetzt der Ersteinstieg in den Beruf nach der Ausbildung im Jahr 2007. „Ich bereue nichts. Und so, wie alles lief, war es gut. Alles zu seiner Zeit eben. Ich bin dankbar für den Weg und glücklich, dass er mir und anderen ermöglicht wird. Auf den Kurs der Gesundheitsakademie bin ich im Internet gestoßen und habe ihn sofort als meine Chance wahrgenommen“, beschreibt die junge Mutter. In ihren Augen lag die Herausforderung darin, ob sie es noch im klinischen Alltag schafft. „Ich hatte keine Angst, aber ein komisches Gefühl war es schon, wenn man lediglich die Ausbildung gemacht hat und einen Titel besitzt, aber keine Routine vorweisen kann“, beschreibt sie ihre damalige Situation.

Wie auch ihre Kollegin ist sie stolz, dass sie sich auf diesen neuen Schritt eingelassen hat. Sie sehen ihn als Chance für Frauen und raten allen, die sich in ähnlichen Situationen befinden, sich zu trauen. „Jeder sollte das machen, was ihn persönlich glücklich und zufrieden stellt. Wenn man es möchte, gibt es immer einen Weg“, rät die junge Kursteilnehmerin. „Bei mir passte eben jetzt alles in einen zeitlichen und organisatorischen Rahmen und ich konnte den letzten Schritt zur Veränderung wagen.“

Beide sprechen von einer modernen Frauenrolle, von Emanzipation und neuem beruflichen Selbstbewusstsein. Denn die gewonnene Selbständigkeit und das Gefühl für Verantwortung tut unheimlich gut und lässt die Frauen in ihrem Arbeitsalltag wachsen. Dies sind auch die Ziele des Kurses.

Von Vorteil ist hierbei auch der Rückhalt der Kursteilnehmerinnen und der Austausch während der gemeinsamen Stunden. Man gibt sich gegenseitig Informationen, tauscht Erfahrungen aus und unterstützt einander. Von der breiten Altersspanne profitieren die jungen wie auch älteren Frauen der kleinen Gruppe. Für Meike H. sind beispielsweise die aktuellen Hygienevorschriften nichts Neues. Sie spricht von minimalen Veränderungen seit ihrer Ausbildung und dass sie auf viel Wissen aus ihrer Ausbildung zurückgreifen kann. Ihre älteren Kolleginnen im Gegenzug müssen viel Neues dazulernen und auch mehr auffrischen. „Vieles weiß man schon, aber man lernt auch ganz viel dazu. Heute zum Beispiel hatten wir das Thema Multimorbidität. Das gab’s zu meiner Ausbildungszeit noch gar nicht“, so Ingrid M., die die Lerninhalte als sehr gut und informativ beschreibt.

Ergänzt wird der theoretische Unterricht mit Praxisblöcken in persönlich gewählten Institutionen des Gesundheitswesens. Um diese mit der Familie unter einen Hut bringen zu können, sind sie flexibel wählbar. Ingrid M. hat sich hierfür die onkologische Station im Krankenhaus St. Elisabeth ausgesucht. Sie spricht von einem guten Arbeitsklima zu den Kollegen und findet es schön, dass die Mitarbeiter auf den Stationen das Projekt unterstützen. Sie freut sich, dass sie als Kollegin akzeptiert und gut aufgenommen wird.

Zwei unterschiedliche Frauen, zwei unterschiedliche Geschichten, aber ein Ziel: zurück in den Pflegeberuf. Beide haben die Chance genutzt und einen beruflichen Neuanfang gewagt und ihre persönliche Aufgabe gefunden.

Rückkehr in den Pflegeberuf
Wiedereinstiegskurs für Pflegefachkräfte: Neuer Kurs: 23.06.bis 28.11.2014. Zielgruppe: Krankenschwestern, Kinderkrankenschwestern und Altenpflegerinnen. Der Kurs wird von der Europäischen Union aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt. Weitere Informationen unter 0751/87-3312 oder www.ga-gesundheitsakademie.de
Print Friendly, PDF & Email

Unser Webseitenangebot setzt Cookies ein, damit Ihnen ein optimiertes Surfen ermöglicht wird. Zudem kann die Schaltung von Werbeflächen zielgerichtet auf Ihre Interessen abgestimmt werden. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite sind Sie mit der Verwendung von "Cookies" einverstanden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen