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Familie Sondermann aus Uruguay in Ravensburg 



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1912 kam das jüdische Ehepaar Siegfried und Hilda Sondermann nach Ravensburg und eröffnete zunächst in der Marktstraße und dann am Marienplatz 30 (heute „Only“) das Schuhhaus Merkur mit exklusiver Schuhmode. Das Geschäft florierte, die Familie war angesehen in Ravensburg, die drei Söhne, die Zwillinge Kurt und Hans sowie der jüngere Rolf wurden hier geboren und besuchten das Gymnasium. Gelebt hat die Familie in einer Mietwohnung in der Leonhardstraße 3.

Mit der nationalsozilistischen Machtergreifung 1933 änderte sich die Situation für die Familie grundlegend. Unter dem Druck des Boykott jüdischer Geschäfte, bürokratischer Schikanen und zahlreicher diskriminierender Gesetze sah sich Siegried Sondermann gezwungen, sein Geschäft im September 1938 an die langjährige Geschäftsführerin Rosa Keckeisen und ihren Bruder zu verkaufen. Der Erlös, der unter dem eigentlichen Wert lag, sollte die Grundlage sein, auswandern zu können. Wie die Sondermanns waren bis 1938 rund 40% der ehemaligen jüdischen Bevölkerung in Deutschland emigriert. Sondermanns Sohn Kurt war schon 1935 nach Brasilien ausgewandert.

Die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 und die anschließende Verbringung von Siegfried Sondermann in dreitägige „Schutzhaft“ war für ihn und seine Familie das endgültige Signal zur Auswanderung. Die Familie wanderte nach Montevideo in Uruguay aus und baute sich dort eine neue Existenz auf.

Die drei Kinder von Hans Sondermann, Eva (wohnhaft in Uruguay), Susana und Ricardo (beide leben in Brasilien) haben diese Woche mit ihren Partnern Ravensburg besucht. Nach einem Empfang bei Oberbürgermeister Daniel Rapp hat sich die Familie zusammen mit Stadtarchivar Andreas Schmauder auf Spurensuche begeben: zu den Stolpersteinen ihrer Großeltern vor dem ehemaligen Schuhhaus, zum alten Geschäft in der Marktstraße, ins Lieblingscafe des Großvaters ins „Krafft“ und ins Museum Humpis-Quartier, dem die Familie Werbeplakate des Schuhhauses und einen Schuhspanner überlassen hat.

Die heutigen Bewohner der Leonhardstraße 3 haben der Familie Sondermann am Abend einen sehr warmherzigen und freundschaftlichen Empfang bereitet, die ehemalige Wohnung gezeigt und mit Susana Sondermann Geburtstag gefeiert. Als Resüme ihres Besuchs hat Eva Sondermann-Kalbermann in das Gästebuch des Museums Humpis-Quartier geschrieben: „Ich bin wieder zurück! Noch so gerne! Für mich ist das meine Stadt, nicht nur die meiner Familie!“

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