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Asbest-Bauteile verzögern Sanierung 



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Im Rahmen der Generalinstandsetzung der Marienplatzgarage in Ravensburg wurden nach dem Entfernen des Deckenanstrichs Faserzementstreifen am Übergang der Decke zur Wand gefunden. Zum Zeitpunkt des Baus der Tiefgarage zwischen 1987 und 1989 wurde vielfach noch Asbest als Fasermaterial verwendet. Dieser Verdacht hat sich bei Prüfung der entnommenen Proben bestätigt. Genauso wie bei den verbauten Abstandshaltern, die in die Geschossdecken einbetoniert sind. „Nach Vorlage der Ergebnisse wurden sämtliche Arbeiten an den betreffenden Bauteilen umgehend eingestellt,“ stellt Dr. Andreas Thiel-Böhm, Werkleiter der Stadtwerke unmissverständlich klar. „Schließlich hat der Gesundheitsschutz für die Beschäftigten auf der Baustelle absolute Priorität“. Derzeit wird das Sanierungskonzept zusammen mit einem Sachverständigen für Gefahrstoffe überarbeitet. „Bislang war das asbesthaltige Material im Beton eingeschlossen. Deshalb ging keine Gefahr davon aus,“ betont Thiel-Böhm. „Wir haben vom Gemeinderat den Auftrag die Marienplatztiefgarage umfassend und nachhaltig zu sanieren. Wenn wir dabei Schadstoffe erkennen, ist es unsere Verpflichtung die Gefahr, die von den Schadstoffen ausgeht, zu beseitigen“ unterstreicht Baubürgermeister Dirk Bastin. Diese Beseitigung ist leider aufwändig und langwierig. Schließlich müssen die Baustellenabschnitte hermetisch abgeschlossen und nach dem Ausbau der Bauteile penibel gereinigt werden. Zu den Mehrkosten könne noch keine Aussage getroffen werden, die Verzögerung im Bauablauf sei allerdings beträchtlich. „Die für November 2018 geplante Teilöffnung wird sich voraussichtlich um ein halbes Jahr verschieben,“ erläutert Thiel-Böhm. „Genaueres können wir aber erst sagen, wenn der geänderte Sanierungsplan vorliegt und auch mit den Genehmigungsbehörden abgestimmt ist.“ Zwischenzeitlich sollen Arbeiten an solchen Bauteilen erfolgen, in denen keine asbesthaltigen Materialen verbaut sind.

Asbest ist die Sammelbezeichnung für natürlich vorkommende, faserartige silikatische Minerale mit Faserdurchmessern bis herab zu 2 Mikrometern (1 Mikrometer entspricht einem Tausendstel Millimeter). Asbest ist chemisch sehr beständig, unempfindlich gegen Hitze und nicht brennbar. Er weist eine hohe Elastizität und Zugfestigkeit auf. In den vergangenen Jahrzehnten wurde Asbest vor allem bei der Herstellung von Baustoffen eingesetzt. Besonders in den 1960er, 70er und 80er Jahren sind eine Vielzahl von Gebäuden unter Verwendung von asbesthaltigen Baustoffen – überwiegend Asbestzement – erbaut worden. Seit 1993 sind in Deutschland die Herstellung, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Asbest und asbesthaltigen Produkten verboten.

Grundsätzlich unterscheidet man bei Asbest zwischen schwach- und festgebundenen Faserprodukten. Schwach gebundene Asbestprodukte wie Spritzasbest sind sehr problematisch, da die Asbestfasern durch Erschütterung und Alterung leicht freigesetzt werden können. In der Marienplatzgarage verbaut und unproblematisch ist Asbestzement oder fest gebundener Asbest. Von Asbestzement und anderen fest gebundenen Asbestprodukten geht keine Gefahr für die Gesundheit durch Freisetzung von Asbestfasern aus, solange die Produkte in Ordnung und gebrauchstauglich sind und sie keinen thermischen oder mechanischen Einwirkungen ausgesetzt werden. Kritisch sind aber Arbeitsverfahren, bei denen der Asbestzement zerstört oder mechanisch bearbeitet wird (bohren, sägen, schleifen, fräsen, brechen oder zerschlagen der Asbestmaterialien) und bei denen Abrieb entsteht.

Die Notwendigkeit, zu sanieren und asbesthaltige Gebäudeteile zu entfernen, ergibt sich aus der Bewertung des baulichen und technischen Zustands des betreffenden Objektes. Diese Bewertung muss durch zertifizierte Sachkundige für Asbest nach der Technischen Regel für Gefahrstoffe erfolgen. Liegt Asbest in der Bausubstanz vor, dürfen Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten nur von Firmen ausgeführt werden, die über die erforderlichen personellen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen verfügen und eine entsprechende Zulassung der zuständigen Behörde besitzen.

Asbest ist ein krebserregender Stoff. Charakteristisch für Asbest ist seine Eigenschaft, sich in feine Fasern zu zerteilen, die sich der Länge nach weiter aufspalten und dadurch leicht eingeatmet werden können. Die eingeatmeten Fasern können langfristig in der Lunge verbleiben, das Gewebe reizen und Asbestose (Lungenverhärtungen durch Narbengewebe) verursachen. Heute ist auch anerkannt, dass an Arbeitsplätzen mit hoher Freisetzungswahrscheinlichkeit von Asbestfasern, durch die Reizwirkung in der Lunge oder das Wandern der Fasern zum Brust- und Bauchfell, Lungenkrebs beziehungsweise ein Mesotheliom (Tumor des Lungen- oder Bauchfells) entstehen kann. (Quelle: Umweltbundesamt)

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