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Agrarflächen doppelt nutzen 



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Das Stichwort lautet Agrophotovoltaik. Am vergangenen Samstag (10. Oktober) stellte Dr. Andreas Thiel-Böhm, Geschäftsführer der Technische Werke Schussental GmbH & Co. KG (TWS), anlässlich der Eröffnung der Oberschwabenschau der Landesforschungsministerin Theresia Bauer die Idee für ein Forschungsprojekt vor, das seinesgleichen sucht: Sieben Partner wollen herausfinden, unter welchen Bedingungen sich Apfelbäume unter Photovoltaik-Anlagen wohl fühlen und welche Wechselwirkungen an Ort und Stelle zwischen der Stromerzeugung und dem Erwerbsobstbau entstehen. Die TWS klärt als Projektpartner sowohl die energiewirtschaftlichen Fragestellungen als auch die betrieblichen Fragen zur Agrophotovoltaik unter den Bedingungen des Obstanbaus. „Das Projekt bietet enormes Potential für unsere Region. Denn es geht um eine sinnvolle Doppelnutzung von Agrarflächen, die gleichzeitig den Klimaschutz voranbringt“, sagte Andreas Thiel-Böhm. Aus seiner Sicht könnte das Projekt den Konflikt zwischen Freiflächen-PV-Anlagen und der Nahrungsmittelerzeugung entschärfen, denn diese konkurrieren mancherorts um Grund und Boden. Gleichzeitig sind zusätzliche Einkommensalternativen für die Obsterzeuger in der Bodenseeregion denkbar: „Wir bieten mit dem „twsEnergiedach“ bereits ein Pachtmodell für Hausbesitzer, die ihren eigenen Strom erzeugen möchten. Sind wichtige Fragen geklärt, ließe sich diese Idee auch auf ein Partnerschaftsmodell mit der Landwirtschaft ausdehnen“, stellte der Energieexperte in den Raum.

Photovoltaik mit Hagelschutzfunktion
Praktisch umgesetzt soll das Forschungsprojekt vom Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Bavendorf werden, das auch die Flächen für die Versuchsanlagen stellt. Außerdem sind die Universität Hohenheim mit zwei Instituten, die BayWa AG und ihr Tochterunternehmen BayWa r.e. als Systemlieferant für Photovoltaik-Anlagen und Unterbau sowie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE beteiligt. Ein wichtiger Ansatz des Projektes ist, dass die Photovoltaik-Module die Funktion des Hagelschutzes in Obstanlagen mit übernehmen. Die bisherigen Schutznetze entfallen und werden durch Solarmodule ersetzt. Der Nutzen des Hagelschutzes wird um die Stromproduktion deutlich erweitert.

Wechselwirkungen und Einspeisemodelle klären
Auf zwei Versuchsanlagen, die ökologisch und konventionell bewirtschaftet werden, soll in den kommenden Jahren geklärt werden, welches Mikroklima unter den etwa drei Meter hohen Agrophotovoltaik-Anlagen entsteht und wie sich Obstbäume und Früchte dabei entwickeln. Auch die Rolle des Pflanzenschutzes muss dabei geklärt werden: Parallel wird dabei der Krankheitsdruck für konventionelle und für ökologische Anbausysteme ermittelt. Eine zusätzliche Betrachtung gilt der Frage, ob die verwendeten Pflanzenschutzmittel einen Einfluss auf Funktionsfähigkeit und Lebensdauer der Agrophotovoltaik-Anlagen haben. Wichtig für die Wirtschaftlichkeit von Agrophotovoltaik ist außerdem die Einspeisung und Vergütung von Solarstrom.

Hier werfen die Experten der TWS ihre Kompetenz in Sachen Strommarkt in die Waagschale, Ziel ist ein verlässliches Vergütungsmodell für die Einspeiser. „Die Projektidee hat Charme. Sie verbindet Bewährtes mit Neuem und könnte neue Einkommenspotentiale für die Landwirtschaft erschließen. Nicht zuletzt profitiert aber etwas, das uns allen am Herzen liegen sollte: Der Klimaschutz“, so Andreas Thiel-Böhm. Denn rein rechnerisch erzeugt eine Photovoltaik-Anlage je 10 Quadratmeter in der Region rund 1.200 Kilowattstunden Ökostrom pro Jahr und erspart der Umwelt dabei 6 Kilogramm CO2.

Die Obstbauregion Bodensee ist mit rund 7.000 Hektar Apfelanbaufläche Deutschlands größtes Obstanbaugebiet. Etwa die Hälfte der Flächen schützen die Erzeuger durch spezielle Netze vor Hagel. Bei einer kompletten Umstellung ergäbe sich eine Stromproduktion von 4,2 Milliarden Kilowattstunden Ökostrom pro Jahr. Das entspricht in etwa der Menge, die rund 1,2 Millionen Haushalte durchschnittlich pro Jahr verbrauchen.

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